Testspiel, 5. März 2026: Die Frauen des 1. FC Union Berlin und Viktoria Berlin trennen sich 2:2.

Ein sonniger Frühlingstag in Lichterfelde. Rund elf Grad, strahlender Himmel – und über dem Stadion gelegentlich der Rettungshubschrauber vom benachbarten Benjamin-Franklin-Campus der Charité, der startet oder landet.
Auf den Rängen dagegen blieb es ruhig. Nicht aus mangelndem Interesse, sondern weil das Testspiel zwischen den 1. FC Union Berlin Frauen und den FC Viktoria 1889 Berlin Frauen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand.
Sportlich endete die Partie mit einem 2:2. Doch wie so oft in solchen Spielen erzählt das Ergebnis nur einen kleinen Teil der Geschichte. Interessanter sind einige Beobachtungen aus diesem Nachmittag in Lichterfelde.
Ausgangsformation
Union begann die Partie in einer klaren Grundordnung. Im Tor stand Cara Bösl. Die Innenverteidigung bildeten Silje Helgesen und Marina Georgieva. Auf den Außenverteidigerpositionen starteten Katja Orschmann rechts und Judith Steinert links. Im zentralen Mittelfeld agierten Leonie Köster und Jenny Hipp eher defensiv orientiert, davor spielte Dina Orschmann etwas offensiver. Die Flügel besetzten Ida Heikkinen auf der linken Seite und Antonia Halverkamps rechts. Im Sturmzentrum begann Lisa Heiseler. Auf der Bank saßen zunächst Nadine Böhi, Anna Weiß und Samantha Steuerwald.
Dass die Bank so kurz besetzt war, lag vor allem daran, dass mehrere Spielerinnen mit ihren Nationalmannschaften unterwegs waren und einige weitere verletzungsbedingt fehlten.
1. Beobachtung: Spielpraxis fĂĽr RĂĽckkehrerinnen und wichtige Minuten im Kader
Testspiele bieten immer auch die Möglichkeit, Spielerinnen Einsatzzeit zu geben, die in den vergangenen Wochen weniger Spielminuten sammeln konnten – sei es aufgrund von Verletzungen oder weil sie bislang im Ligaalltag weniger zum Einsatz kamen.
Ein gutes Beispiel dafür war Leonie Köster, die nach ihrer langen Verletzung erstmals wieder über die vollen 90 Minuten auf dem Platz stand. Für sie ging es vor allem darum, wieder Rhythmus zu finden. In einigen Szenen konnte man bereits erkennen, welche Bewegungsabläufe sie ins Spiel bringt und wie sie Räume liest. Wenn sie vollständig in ihren Rhythmus zurückfindet, kann sie für diese Mannschaft noch eine wichtige Rolle spielen.
Auch Marina Georgieva bekam wichtige Spielzeit. In der RĂĽckrunde hatte sie bislang nur wenige Minuten gesammelt, in Lichterfelde stand sie jedoch ĂĽber die gesamten 90 Minuten auf dem Platz.
Neben ihr begann Silje Helgesen, die bislang noch keine Bundesliga-Minuten sammeln konnte. Helgesen musste zwar nach rund 30 Minuten ausgewechselt werden – die Situation wirkte jedoch weniger wie eine strukturelle Verletzung, sondern eher wie ein kurzfristiges Atemproblem.
Was auffällt, wenn man Helgesen, Georgieva und Steuerwald nebeneinander beobachtet: Sie sprechen dieselbe fußballerische Sprache. Früh den Kopf heben, Räume lesen, im Aufbau keine Hektik. Der Unterschied liegt weniger in der Qualität als in der Erfahrung – und genau deshalb ist Helgesen bemerkenswert. Was ihre erfahreneren Mitspielerinnen über Jahre entwickelt haben, bringt sie mit einer Selbstverständlichkeit, die man bei so jungen Innenverteidigerinnen selten sieht. Was noch fehlt, ist körperliche Robustheit im Zweikampf. Aber das ist Entwicklung, kein Mangel.
Auch Jenny Hipp stand nach ihrem Knockout im Spiel gegen Jena wieder auf dem Platz. Sie zeigte schnell wieder die Qualitäten, die man von ihr kennt: Übersicht im Spiel, Präsenz im Mittelfeld und gefährliche Standards. Ein Freistoß landete an der Latte, eine ihrer Ecken bereitete den Kopfballtreffer von Dina Orschmann vor.
2. Beobachtung: Eine interessante zusätzliche Variante im Spielaufbau
Neben diesen personellen Aspekten brachte das Spiel auch eine taktische Beobachtung mit sich.
Mehrfach ließ sich eine zentrale Mittelfeldspielerin aus ihrer Position in die letzte Linie zurückfallen und bildete gemeinsam mit den Innenverteidigerinnen eine temporäre Dreierstruktur im Aufbau. Zwei Mal war das in der ersten Halbzeit bei Jenny Hipp zu sehen, einmal später auch bei Leonie Köster.
Dadurch veränderte sich die Statik des Spiels situativ. Die Außenverteidigerinnen konnten höher schieben, während im Aufbau eine zusätzliche Anspielstation entstand.
Solche Bewegungen erweitern das Repertoire im Spielaufbau. Wenn sich die Struktur verändert, müssen Gegner ihre Pressingabläufe neu anpassen und ihre Orientierung im Raum verändern. Genau darin liegt der Wert dieser Variante.
Dass Union diese Bewegung in diesem Testspiel eingebaut hat, wirkt deshalb wie ein Schritt in der Weiterentwicklung des eigenen Spiels. Sie gibt der Mannschaft eine zusätzliche Möglichkeit, Spielsituationen im Aufbau künftig flexibler zu lösen.
3. Beobachtung: Eine Halbzeit mit Kontrolle – eine mit Problemen
In der ersten Halbzeit war Union über weite Strecken die spielbestimmendere Mannschaft. Der Ball lief häufiger durch die eigenen Reihen, Viktoria musste mehr verteidigen. Ganz zwingend wurde Union dabei allerdings nur phasenweise. Einige gute Ansätze gab es, doch viele Angriffe brachen in den Anschlussaktionen ab.
Die zweiten 45 Minuten begannen, als hätte jemand die Seiten gewechselt. Viktoria kam mit mehr Druck, Union fand keinen Zugriff. In dieser Phase war Heiselers Stimme plötzlich deutlich zu hören:
„Spielt endlich wieder Fußball.“
Kein Vorwurf, eher eine dringliche Erinnerung.
Kurz darauf hatte sie selbst die klarste Möglichkeit dieser Phase – ein Abschluss aus zentraler Position, den Viktorias Torhüterin stark zur Ecke parierte. Es war der Moment, ab dem Union wieder im Spiel angekommen war.
In der Schlussphase gab es zudem noch eine interessante personelle Variante: Judith Steinert rückte auf den linken Flügel, während Ida Heikkinen auf die Linksverteidigerposition ging. Ob daraus mehr wird als eine einmalige Variante in diesem Testspiel, wird sich zeigen.
Am Ende blieb es bei einem leistungsgerechten 2:2.
Fazit
Manchmal erzählt ein Testspiel mehr als das Ergebnis vermuten lässt. Dieser Nachmittag in Lichterfelde war so ein Fall. Spielerinnen, die Minuten brauchten, haben sie bekommen. Eine Mannschaft, die nach einer freien Woche wieder in den Wettkampfrhythmus finden musste, hat genau diese ersten Schritte gemacht. Dass dabei nicht alles perfekt lief, liegt in der Natur solcher Spiele – und war an diesem Tag auch nicht der Punkt.
Was bleibt, ist ein gutes Gefühl für das, was noch kommt. Die letzten Wochen dieser Saison könnten besondere werden – nicht nur sportlich, sondern auch wegen einer Zahl, die langsam in Reichweite rückt: 100.000 Zuschauer. Warum das mehr als eine Statistik ist, liest du hier:

PK
Weitere Analysen und Hintergründe zum Frauen-Team des 1. FC Union Berlin findest du regelmäßig auf meinem Blog „Die Schlosserinnen“.





