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Ein Spiel als Statement – Union Berlin besiegt Werder Bremen 

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Ein 4:1 gegen Werder Bremen, das mehr ist als ein Sieg: Warum dieses Spiel zeigt, wie stark, klar und besonders diese Union-Mannschaft wirklich ist.

Die Spielerinnen von Union feiern ein Tor gegen Werder Bremen beim 4:1 Sieg im Stadion An der alten Försterei.
Foto: IMAGO / Contrast

Wenn Fußball sich leicht anfühlt

Es gibt diese Momente im Stadion, in denen man plötzlich merkt, dass man nicht mehr nur auf das Ergebnis schaut. Weil das Spiel einen mitnimmt. Weil es sich leicht anfühlt. Weil man einfach gern zuschaut. Dieses Spiel gegen Bremen war so eines.

Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem man ansetzen muss, wenn man über diese Mannschaft spricht.

Denn es ist zu einfach, den Frauenfußball bei Union Berlin nur über Zahlen und Strukturen zu erklären. Über einen wachsenden Markt, über kluge Entscheidungen, über Synergieeffekte, die sich aus Infrastruktur, Stadion und Verein ergeben. All das ist richtig. All das gehört zu dieser Geschichte dazu.

Und doch greift es zu kurz.

Denn was diese Mannschaft in den vergangenen Jahren diesem Verein zurückgegeben hat, lässt sich nicht nur in Businessplänen und Zahlen abbilden. Etwas, das sich nicht aus einer Strategie ergibt, sondern aus dem, was auf dem Platz passiert – und aus dem, was daraus entsteht.

Diese Mannschaft entwickelt den Verein weiter. Leise. Schritt für Schritt. Aber spürbar. Sie erweitert das, was Union ausmacht und vergrößert die Definition und das Selbstverständnis des Vereins.

Vor allem gewinnt sie Herzen – nicht zuletzt mit Auftritten wie diesem.

Mit einer Art, Fußball zu spielen, die etwas auslöst. Die Menschen mitnimmt und berührt. Eine Leichtigkeit, die nicht oberflächlich wirkt. Eine Spielfreude, die nicht inszeniert ist, sondern ehrlich.

Und eine Nähe zu den Fans, die diesen Verein tragen – verbunden mit einem sichtbarem Feuer, für diesen Verein aufzulaufen, die Alte Försterei als Bühne zu nutzen und sie sich anzueignen.

Es ist ein Fußball, der nicht gegen die klassischen Union-Tugenden steht, sondern sie ergänzt. Der nicht weniger intensiv ist, sondern anders. Vielleicht ein bisschen weniger verbissen, aber ohne an Konsequenz und Wille zu verlieren. Offener, ohne an Haltung einzubüßen – im Gegenteil: sogar an Haltung gewinnt.

Und genau deshalb gibt es Spiele, in denen all das plötzlich sichtbar wird.

Spiele, die sich nicht nur über das Ergebnis definieren, sondern über das Gefühl, das sie hinterlassen. Dieses Spiel gegen Bremen war genau dies.

Weil es wie ein Moment angefühlt hat, in dem sich etwas bestätigt hat, das längst im Team vorhanden war. Dabei aber nicht wie ein Ausbruch angefühlt hat, sondern wie ein Zustand, der endlich über volle 90 Minuten sichtbar geworden ist.

Man wusste und glaubte immer daran, dass dieses Team so spielen kann. Aber man hatte es noch nie so deutlich gesehen.

Kein Ausbruch – eine Bestätigung

Und genau deshalb war dieses Spiel mehr als nur ein Sieg – es war Gewissheit.

So fühlt sich diese Mannschaft an, wenn sie in sich ruht, wenn sie nicht mehr – wie in so vielen Saisonphasen – sucht, sondern weiß, was sie tut, und wenn die Dinge, die sich in den Wochen zuvor immer wieder in Ansätzen gezeigt haben, plötzlich zusammenfallen und ein Gesamtbild ergeben.

Genau darin liegt der Unterschied.

Denn dieses Spiel wirkt nicht deshalb so überzeugend, weil an diesem Tag alles funktioniert hat, sondern weil es zu dem passt, was diese Mannschaft gerade ist und noch werden kann.

Zwölf Punkte in der Hinrunde, vierzehn Punkte jetzt schon in der Rückrunde bei noch fünf ausstehenden Spielen – das ist keine Momentaufnahme und auch kein zufälliger Lauf, sondern ein klarer Verlauf, der sich mit dem deckt, was im Winter öffentlich von Jennifer Zietz formuliert wurde. Sechs Punkte mehr als in der Hinrunde, achtzehn insgesamt. Fehlen nur noch vier – und plötzlich ist das kein ambitionierter Rahmen mehr, sondern ein erreichbares Ziel.

Diese Entwicklung zeigt sich nicht nur in der Punktzahl, sondern auch in der Einordnung: Ein Blick auf die Rückrundentabelle zeigt Union auf Platz 4 – nicht als Ausreißer nach oben, sondern als Resultat einer stabilen Entwicklung.

Und genau deshalb fühlt sich dieses 4:1 gegen Bremen nicht wie ein besonderer Abend an, sondern wie der Moment, in dem sichtbar wird, was sich längst aufgebaut hat – nicht als Überraschung, dass so eine Leistung möglich wäre, sondern als Bestätigung und einem aufatmenden endlich-Gefühl.

Kontrolle ohne Ballbesitz

Was dieses Spiel darüber hinaus so überzeugend gemacht hat, war die Art, wie Union es kontrolliert hat.

Nicht über Ballbesitz – im Gegenteil.

Bremen hatte über das gesamte Spiel hinweg mehr davon, am Ende standen rund 61 Prozent für Bremen und 39 Prozent für Union, ohne dass sich dieses Verhältnis zwischen erster und zweiter Halbzeit wesentlich verschoben hätte. Und genau das macht dieses Spiel so interessant.

Denn trotz dieses klaren Ballbesitznachteils hatte man nie das Gefühl, dass Bremen die Kontrolle über dieses Spiel hätte. Weil Union sie an anderer Stelle hatte. In der Struktur.

Die Abstände zwischen den Linien haben gestimmt, die Ketten waren sauberer aufeinander abgestimmt, und vor allem hatte man das Gefühl, dass jede Spielerin wusste, wo sie zu stehen hat und welche Räume sie besetzen muss. Dadurch entstand eine Kompaktheit, die es Bremen schwer gemacht hat, überhaupt in gefährliche Zonen zu kommen – selbst in den Phasen, in denen sie den Ball länger in den eigenen Reihen hielten.

Und gleichzeitig war Union in allem, was sie getan haben, auf einem anderen Intensitätslevel. Nicht nur im Anlaufen, nicht nur in den Zweikämpfen, sondern vor allem in der Geschwindigkeit der Entscheidungen.

Sie waren schneller im Kopf.

Pässe wurden antizipiert, Räume früh erkannt und konsequent geschlossen, Laufwege nicht nur begleitet, sondern vorweggenommen. Während Bremen den Ball zirkulieren ließ, hatte man selten das Gefühl, dass daraus wirklich Gefahr entstehen kann – weil Union die entscheidenden Räume bereits besetzt hatte, bevor sie überhaupt angespielt werden konnten.

So entstand ein Spiel, das sich nicht über Dominanz im klassischen Sinne definierte, sondern über Kontrolle. Nicht darüber, wer den Ball hat. Sondern darüber, wer das Spiel versteht.

Warum „Effizienz“ zu kurz greift

Gerade in Spielen wie diesem liegt die Versuchung nahe, sich auf eine einfache Erklärung zurückzuziehen. In vielen Talkrunden, wird dann schnell ein Wort benutzt und gehofft, damit irgendetwas zu erklären. 

Das Wort: Effizienz.

Es wird vor allem dann genutzt, wenn die Zahlen auf den ersten Blick nicht zusammenpassen. Weniger Ballbesitz, trotzdem klarer Sieg – und schon ist die Erklärung gefunden.

Aber genau da sollte man vorsichtig sein. Denn dieser Begriff erklärt nichts. Er verkürzt.

Union hat dieses Spiel nicht gewonnen, weil sie aus wenigen Chancen viel gemacht haben. Sie hatten am Ende sogar mehr Abschlüsse als Bremen. Und genau das ist der Punkt.

Ballbesitz sagt nichts über die tatsächliche Machtverteilung auf dem Platz aus. Die entscheidende Frage ist eine andere:

Wer bringt das Spiel in die Situationen, in denen etwas passieren kann? Und mit welcher Präzision, Intensität und Zielstrebigkeit tut man dies. 

Und da war Union eindeutig besser. Nicht, weil sie mehr Ball hatten. Sondern weil sie klarer gespielt haben. Klarer in den Entscheidungen, klarer in den Abläufen, klarer in der Vorbereitung ihrer Angriffe.

Und genau daraus entsteht das, was am Ende oft als Effizienz bezeichnet wird.

Der Moment, der das Spiel nicht kippen lässt

Und dann gibt es diesen Moment, der ein Spiel kippen kann.

Elfmeter für Bremen, Larissa Mühlhaus tritt an – acht verwandelte Elfmeter in dieser Saison, eine Spielerin, die in solchen Situationen weiß, was sie tut. Es ist genau die Szene, in der ein Spiel, plötzlich eine andere Richtung nehmen kann. Aber genau das passiert hier nicht.

Weil Nadine Böhi brillant hält.

Den Elfmeter.

Und auch den Nachschuss.

Damit nimmt sie diesem Spiel den einzigen Moment, in dem es hätte kippen können, und sorgt dafür, dass die Ordnung, die Union bis dahin auf dem Platz hatte, nicht ins Wanken gerät.

Dabei ist Böhi normalerweise die Nummer zwei hinter Cara Bösl. Umso bemerkenswerter ist die Selbstverständlichkeit, mit der sie dieses Spiel bestreitet – nicht als Vertreterin, sondern als Torhüterin, die ihrem Team Sicherheit gibt.

Neun Paraden, sechs davon von Abschlüssen aus dem Strafraum heraus, unterstreichen das. Nicht als isolierte Statistik, sondern als Beschreibung eines Spiels, in dem sie immer dann eingreift, wenn es notwendig wird – und genau damit verhindert, dass Bremen noch einmal zurückkommt.

Lia Kamber muss man gesehen haben

Kommen wir zu einer weiteren Spielerin dieses Spiels. Leute müssen Lia Kamber Fußball spielen sehen.

Sie müssen ihren ersten Kontakt sehen, wie sie den Ball annimmt. Der ist überragend – nicht, weil es für eine 20-jährige überragend ist, sondern weil er auf einem Niveau ist, das in dieser Liga heraussticht. 

Sie kontrolliert den Ball und verschafft sich im selben Moment den Raum, den sie braucht – manchmal reicht ein Kontakt, manchmal eine kleine Körpertäuschung, und plötzlich ist die Situation offen.

Das ist Qualität. Nicht für ihr Alter alleine, sondern für die Bundesliga.

Zwei Gegenspielerinnen laufen sie an, Druck entsteht, der Raum wird eng – und trotzdem bleibt sie ruhig, dreht sich raus, spielt weiter, als wäre das die normalste Situation auf dem Platz.

Und das gilt nicht nur für das, was sie mit dem Ball macht.

Auch ohne Ball verschafft sie sich Räume. Mit kleinen Körpertäuschungen, mit Bewegungen, die Gegenspielerinnen ins Leere laufen lassen, bevor sie überhaupt Zugriff bekommen. Es wirkt unscheinbar, aber genau daraus entstehen Zeit und Raum – für sie selbst und für das Spiel um sie herum.

Und dann gibt es diese Szene Sekunden vor Anpfiff des Spiels.

Im Mannschaftskreis. Sie spricht und schwört das Team ein. Mit 20 Jahren. Nach gerade mal wenigen Monaten im Verein. Das ist kein Detail.

Das sagt alles darüber, wie sie sich in dieses Team eingefügt hat – und welche Persönlichkeit sie mitbringt.

Und es passt perfekt zu dem, was man auf dem Platz sieht. Zu dieser Ruhe. Zu dieser Klarheit. Zu dieser Selbstverständlichkeit und diesem Einsatz.

Wenn man dazu noch bedenkt, dass sie ihren Vertrag bei Union laut Veröffentlichung ihrer Spielerinnenagentur Signature-ISCM bis 2029 unterschrieben hat, dann wird klar, was für ein Potenzial hier nicht nur kurzfristig, sondern langfristig in dieses Team geholt wurde.

Union wird an dieser Spielerin noch viel Freude haben und Spiele wie dieses geben einen ziemlich guten Eindruck davon, warum.

Das Zentrum, das alles zusammenhält

Neben Kamber spielt Tanja Pawollek – und vielleicht erklärt genau das, warum dieses Zentrum so stabil wirkt.

Während Kamber Räume öffnet, sorgt Pawollek dafür, dass sie bespielt werden können.

30 von 34 Pässen kommen an, 88 Prozent – das ist keine auffällige Statistik, aber eine, die ein Spiel trägt. Vor allem, weil sie nicht nur quer spielt, sondern auch in die richtigen Räume: 17 von 20 Pässen in der gegnerischen Hälfte finden ihr Ziel.

Das ist keine Sicherheit um der Sicherheit willen. Das ist Kontrolle.

Pawollek spielt nicht spektakulär, sie spielt klar. Sie hält das Spiel zusammen, sorgt dafür, dass Tempo nicht verloren geht, dass Angriffe weiterlaufen können, dass aus Ballgewinnen auch wirklich Situationen entstehen.

Und gleichzeitig ist sie die, die dieses Zentrum absichert.

Eine der laufstärksten Spielerinnen auf dem Platz, wie in den Wochen zuvor auch – ständig unterwegs, ständig anspielbar, ständig in Bewegung. Sie schließt Räume, bevor sie gefährlich werden, bietet sich an, wenn Lösungen gebraucht werden, und ist genau dort, wo das Spiel sie braucht.

Das ist keine Rolle, die sofort immer auffällt.

Aber eine, ohne die dieses Spiel nicht so funktioniert hätte.

Die Naturgewalt von Eurlings

Und dann ist da Hannah Eurlings.

Endlich ist es ihr gelungen, das erste Pflichtspieltor für Union und eine Vorlage noch oben drauf. Aber das ist eigentlich nur die Oberfläche.

Weil diese Leistung weniger von der Anzahl ihrer Aktionen lebt als von deren Qualität – von der Art, wie sie ins Spiel eingreift und es mitprägt.

Früh im Spiel, in der 12. Minute, gibt es diese Szene.

Ein Steckpass in die Schnittstelle, präzise gespielt, genau im richtigen Moment, genau in den Raum, in dem er wehtun kann und eine gute Chance für Eileen Campbell. 

Aber dieser Pass ist kein Zufall.

Das ist ein Muster. Diesen Pass hat sich nicht nur bei uns schon mehrfach gezeigt, sondern auch jüngst in der belgischen Nationalmannschaft, als sie das Tor von Tessa Wullaert gegen Israel vorbereitete.

Eurlings sieht diese Räume und Laufwege früh. Sie spielt diese Bälle mit Überzeugung, mit Präzision und perfekter Geschwindigkeit, die zeigt, dass genau das zu ihrem Profil gehört. Nicht nur deshalb hat Union sie verpflichtet. 

Sondern weil sie eben nicht nur diese klassische Flügelspielerin ist, die von links nach innen zieht und abschließt. Sie kann das – aber sie ist längst mehr als das. Sie ist in der Lage, Situationen zu öffnen, nicht nur sie zu nutzen.

Und wenn sie ins Eins-gegen-eins geht, dann tut sie dies mit einer Ballsicherheit, die beeindruckend ist.

Acht Dribblings, fünf davon erfolgreich.

Sie sucht diese Duelle – und sie gewinnt sie.

Dazu kommt eine Physis, die ihrem Spiel eine zweite Ebene gibt.

14 Boden-Zweikämpfe, 10 gewonnen – ein Wert, der für eine Offensivspielerin nicht einfach nur gut ist, sondern herausragt.

Das ist kein Nebenaspekt, das ist Teil ihres Spiels. Sie geht in diese Situationen hinein, bleibt drin, setzt ihren Körper ein, behauptet sich.

Und dann dieses Tor. 78. Minute, Kopfball. Ihr erstes Kopfballtor ihrer Karriere.

Hannah Eurlings bringt ein vielversprechendes Gesamtpaket mit und wenn sie in diesen Rhythmus kommt, dann wird sie in dieser Liga als Naturgewalt wahrgenommen werden.

Ein gutes Team – aber nicht auf Union-Level

Aber kommen wir zum Gegner. Werder Bremen ist bei weitem keine schlechte Mannschaft und haben stimmungsvolle Fans in einer Zahl mitgebracht, die für ein Montagsspiel alles andere als eine Selbstverständlichkeit sind. 

Bremen war Fünfter der Google Pixel Frauen-Bundesliga vor diesem Spiel, mit Qualität im Kader und einer Spielidee, die funktioniert. Erst letzte Woche haben sie einen beeindruckenden 4:2 Sieg gegen Eintracht Frankfurt eingefahren und sollten mit Rückenwind nach Köpenick gekommen sein. 

Aber sie waren an diesem Tag nicht auf dem Level, auf dem Union auf dem Platz war.

Sie hatten den Ball, sie hatten Phasen, in denen sie das Spiel kontrollieren konnten – aber sie fanden kaum Lösungen, um wirklich gefährlich zu werden.

Auffällig war dabei, wie einseitig ihr Spiel war.

In der ersten Halbzeit lief fast alles über die rechte Seite, vor allem über Larissa Mühlhaus, die sich über den gesamten Platz bewegte, um an den Ball zu kommen. Sie ist ohne Frage die beste Spielerin im Bremer Team, das sieht man sofort.

Aber genau hier wird auch das Problem sichtbar.

Weil ihr Spiel zu oft darauf ausgelegt ist, dass ihre individuelle Qualität reicht um den Unterschied zu machen. Zu wenig Tempo in den Aktionen, zu wenig Konsequenz in den Entscheidungen.

Es wirkt, als würde sie vieles mit ihrer fußballerischen Klasse lösen wollen – mit zugegeben viel Qualität, aber ohne den letzten Biss und die letzte Klarheit. In dieser Art und Weise ging sie auch ihre Standards und Elfmeter an. 

Und genau daran scheitert Bremen an diesem Tag insgesamt. Es stand kein echtes Team auf dem Platz.

Ihr Spiel bleibt behäbig, die Entscheidungen dauern zu lange, der Ball läuft nicht schnell genug, um Unions Struktur wirklich zu verschieben. In der zweiten Halbzeit zeigt sich dann vor allem die Unzufriedenheit.

Nicht, dass Bremen auseinanderfällt – sondern dass sie mit sich selbst hadern. Spielerinnen gingen sich verbal auf dem Platz lautstark an. Die Teamchemie offensichtlich etwas, an dem in Bremen noch gearbeitet werden kann.

Die einzige, die noch einmal versuchte, Energie zu erzeugen, war Medina Desic nach ihrer Einwechslung – allerdings weniger über das Spiel selbst, sondern über ihre bekannte Art und Weise, indem sie Gegnerinnen provoziert und darüber Intensität ins Spiel bringen will.

Aber es blieb beim Ansatz.

Das war der Unterschied dieses Spiels. Bremen versuchte, Intensität zu erzeugen – Union lebte sie.

Nicht nur Ergebnis – auch Gefühl

Und vielleicht ist genau das der Punkt, der von diesem Spiel bleibt.

Nicht das Ergebnis allein – sondern das Gefühl.

Weil es genau das sichtbar gemacht hat, was diese Mannschaft auszeichnet, wenn sie in sich ruht. Wenn sie nicht sucht, sondern weiß, was sie tut. Wenn sie das, was in ihr steckt, über 90 Minuten auf den Platz bringt.

Darin liegt die Verbindung zum Anfang.

Zu dieser Leichtigkeit. Zu dieser Freude. Zu dieser Art, Fußball zu spielen.

Weil sie nicht konstruiert ist. Sondern entsteht.

Aus dem Spiel selbst und aus der Verbindung, die dieses Team zu diesem Verein hat.

Genau deshalb gehört auch ein Punkt dazu, der über das Spiel hinausgeht.

Die Nähe zu den Fans.

Ein Punkt, der dieses Team auszeichnet – und der für alle Seiten wichtig ist. Für die Mannschaft, für den Verein, für die Menschen auf den Rängen. Weil genau darin ein Teil dessen liegt, was Union ausmacht: Zusammengehörigkeit.

Dabei ist aber auch ein kleiner Unterschied zuletzt immer wieder aufgefallen.

Nach Spielen nehmen sich Spielerinnen Zeit, unterschreiben Autogramme, sprechen – aber nicht mehr so viele und auch nicht mehr in der Ausdauer, wie in der 2. Bundesliga. Es ist nur ein kleiner Unterschied, dennoch einer, den man merkt.

Aber vielleicht ist genau das etwas, das man sich bewahren sollte. Weil genau diese Nähe immer ein Teil dessen war, was diese Mannschaft ausgemacht hat – und auch dabei hilft, Menschen für sie zu begeistern.

Und das ist am Ende nur eine Randbemerkung an einem überaus gelungenen Abend.

An einem Spiel, das gezeigt hat, was in dieser Mannschaft steckt. Und genau deshalb bleibt dieses Spiel gegen Bremen mehr als ein klarer Sieg gegen ein gutes Team.

Es ist ein Moment, der daran erinnert, warum man sich in dieses Team jedes Mal wieder verlieben kann.

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2 Kommentare

  • Ein verdammt guter Kommentar, eine tiefgründige und starke Analyse des Spiels gestern. Gerade auch die Einschätzung zu Lia Kamber spricht mir aus der Seele. Nicht nur gestern sehr auffällig, sie macht unser Mittelfeldspiel mal so richtig besser. Wenn wir jetzt also auch noch die Konstanz in die Leistungen bekommen, und danach sieht es aktuell ja auch ein gutes Stück aus, dann werden wir zur neuen Saison wohl in der Tabelle gar nicht erst im unteren Mittelfeld anfangen/beenden…dann geht es vielleicht auch noch ein paar Plätze nach oben. Das Potential ist ja da, es muss halt dauerhaft (und ohne das viele Verletzungs“pech“) abgerufen werden.
    Eisern.

    • Danke dir für das tolle und sehr wertschätzende Feedback! 🙏
      Das war gestern wirklich eine wundervolle Leistung von so vielen und Lia war tatsächlich sensationell. Bin wirklich optimistisch für die Zukunft.

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