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Im Fokus: Silje Skaara Helgesen im Interview

„Der Verein fühlt sich wie eine große Familie an.“

Für Silje Skaara Helgesen begann in der Winterpause ein neues Kapitel. Die norwegische Innenverteidigerin wechselte vom Erstligisten Stabæk Fotball Kvinner zum 1. FC Union Berlin.

Bei Stabæk, einem traditionsreichen Club aus Bærum bei Oslo, sammelte die 21-Jährige bereits früh viel Erfahrung in der Toppserien, der höchsten Spielklasse im norwegischen Frauenfußball.

Im Interview mit „Die Schlosserinnen“ spricht sie über ihren Wechsel nach Köpenick, den Schritt in die Bundesliga – und darüber, warum sich der Verein für sie schnell wie eine große Familie anfühlt.

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Silje Skaara Helgesen im Testspiel des 1. FC Union Berlin gegen Viktoria Berlin. Foto: 1. FC Union Berlin

Du hast mit deinem Wechsel zu Union zum ersten Mal Norwegen verlassen – mit 21 Jahren ein großer Schritt. Wie geht es dir bisher in Berlin und wie hast du dich in dieser Stadt und beim Verein eingelebt?

Nach Deutschland zu ziehen war, wie du sagst, ein großer Schritt für mich. Berlin ist deutlich größer als meine Heimatstadt, aber auch als Oslo, wo ich vor meinem Umzug vier Jahre lang gelebt habe. Hier gibt es sehr viel zu sehen und zu entdecken. Bisher gefallen mir sowohl die Stadt als auch der Verein sehr gut.

Du hast für Stabæk bereits 72 Ligaspiele in der norwegischen Toppserien gemacht und bist dort schon mit 18 Jahren zur Stammspielerin geworden. Jetzt bist du in eine neue Liga und ein neues Team gewechselt und musst dich dort erst ein Stück weit hineinfinden. Wie erlebst du diese Phase aktuell – und was nimmst du daraus für deine Entwicklung als Spielerin mit?

Der Sprung von der Toppserien in die Bundesliga ist groß, denn das Spiel ist körperbetonter und schneller. Ich nutze das Training, um mich daran sowie an die Mannschaft und ihren Spielstil zu gewöhnen. Mein Ziel ist es, möglichst schnell Spielzeit zu bekommen und ein wichtiger Teil einer sehr guten Union-Mannschaft zu werden.

Welche Unterschiede nimmst du bisher zwischen dem Fußball in Norwegen und hier in Deutschland wahr – vielleicht beim Tempo, bei der Physis oder auch bei taktischen Anforderungen?

Wie ich bereits vorher meinte, finde ich, dass das Spiel hier in Deutschland schneller und körperbetonter ist. Das erfordert, dass man in allen Situationen hellwach ist.

Was sind für dich aktuell die größten Herausforderungen für deinen Spielstil in dieser Liga – und woran arbeitest du gerade besonders, um dich an die Anforderungen hier anzupassen?

Die größte Herausforderung ist meiner Meinung nach die Geschwindigkeit des Spiels. Ich arbeite daran, meine Entscheidungen mit dem Ball schneller zu treffen und meine Positionierung zu optimieren, wenn ich nicht im Ballbesitz bin.

In Deutschland wird häufig über das Niveau der Frauenfußball-Bundesliga diskutiert. Wie nimmst du die Liga bisher als Spielerin wahr – und was zeichnet sie aus deiner Sicht besonders aus?

Ich finde, die Liga ist sehr professionell. Die Bedingungen rund um das Geschehen auf dem Platz sind sehr gut, was gute Leistungen auf dem Platz ermöglicht. Was die Bundesliga aber noch besonderer macht, sind die Fans und ihre Verbundenheit mit den Mannschaften. Es ist etwas ganz Besonderes und macht Spaß, ein Teil davon zu sein!

Viele Unionerinnen und Unioner konnten dich im Testspiel im Trainingslager erstmals im Livestream sehen. Dabei fiel sofort auf, mit welcher Ruhe und Abgeklärtheit du in der Innenverteidigung gespielt hast – gerade auch im Spielaufbau. Ist das etwas, das du dir über viele Spiele erarbeitet hast, oder wird dieser Spielstil in der norwegischen Ausbildung besonders vermittelt?

Ich würde sagen, das ist eine Fähigkeit, an der ich über die Jahre bei Stabæk gearbeitet habe. Als Verteidigerin möchte man natürlich sicher am Ball sein und die Fähigkeit haben, das Tempo im Spiel anzupassen und verschiedene Aufbau-Varianten zu haben. Das ist etwas, woran ich noch arbeite, und ich hoffe, es in Zukunft auch noch mehr zeigen zu können.

Silje Skaara Helgesen vor dem Stadion An der Alten Försterei in Berlin im Trikot des 1. FC Union Berlin.
Silje Skaara Helgesen vor dem Stadion An der Alten Försterei. Foto: 1. FC Union Berlin

Du bist jetzt seit einigen Wochen bei Union und hast den Verein im Alltag kennengelernt. Wie nimmst du den Club bisher wahr – und was macht diesen Verein aus deiner Sicht besonders aus?

Ich bin jetzt seit zwei Monaten hier und der Verein gefällt mir sehr gut! Als ich vor meiner Unterschrift bei Union zu Besuch war, habe ich einen guten ersten Eindruck gewonnen, der sich bestätigt hat. Der Verein fühlt sich wie eine große Familie an, in der sich alle gegenseitig respektieren und unterstützen. Man merkt auch, dass der Verein nicht nur für uns Spielerinnen und die Mitarbeiter, sondern auch für die Menschen in der Umgebung etwas ganz Besonderes ist. Überall sieht man Logos, Flaggen, Aufkleber und Schals, die zeigen, wie wichtig der Verein für die Stadt und die Menschen ist.

„Der Verein fühlt sich wie eine große Familie an, in der sich alle gegenseitig respektieren und unterstützen.“

— Silje Skaara Helgesen

Wenn du an die kommenden Jahre in Berlin denkst: Was möchtest du in dieser Zeit für dich ganz persönlich als Spielerin besonders lernen, weiterentwickeln oder erreichen?

Mein Ziel für die Zukunft ist es, mir einen Platz in der Mannschaft zu erarbeiten und möglichst viel auf dem Platz zu stehen. Ich möchte eine Innenverteidigerin werden, die sowohl in der Offensive als auch in der Defensive eine wichtige Rolle spielt. Für uns als gesamtes Team hoffe ich, dass wir weiterhin Fortschritte machen und uns in der Tabelle auch verbessern werden. Für mich persönlich habe ich mir vorgenommen, dass ich gerne komplett Deutsch lernen möchte.


Weitere Analysen und Hintergründe rund um die Frauen-Profis des 1. FC Union Berlin findest du regelmäßig auf meinem Blog „Die Schlosserinnen“:

dieschlosserinnen.de

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