Start / Interviews / Im Fokus: Tanja Pawollek im Interview

Im Fokus: Tanja Pawollek im Interview

Union ist nach dem Aufstieg mit vielen neuen Gesichtern in diese Bundesliga-Saison gestartet. Ein veränderter Kader, neue Rollen, neue Abläufe – vieles musste sich erst einspielen.

Gerade in solchen Phasen der Entwicklung gewinnen Schlüsselpositionen an Gewicht. Die Sechser-Position gehört dazu. Dort spielt Tanja Pawollek.

Im Gespräch spricht sie über Verantwortung im Zentrum, über Emotion als Energie – und über den Wunsch, dieses Projekt mitzugestalten.

Tanja Pawollek beim Einlaufen in das Stadion an der Alten Försterei.
Foto: 1. FC Union Berlin

Was ist für dich der größte Unterschied zwischen der Alten Försterei als Gast – und heute als Union-Spielerin?

Auch als Gästespielerin war es damals in der Alten Försterei ein krasses Erlebnis, vor so vielen Fans spielen zu dürfen. Das war natürlich beeindruckend und motivierend. Jetzt, als Union-Spielerin, die Hymne zu hören und zu spüren, wie die Fans hinter uns stehen, sorgt bei mir jedes Mal für Gänsehaut und ist noch einmal ein ganz besonderes Gefühl der Verbundenheit. Diese Unterstützung treibt uns stets an unsere Leistungsgrenze, und dementsprechend sind wir sehr dankbar.

Inwiefern fordert dich deine Rolle bei Union anders als zuvor in Frankfurt oder in der Nationalmannschaft?

Ich glaube, sowohl bei Frankfurt als auch bei Polen waren wir ein Team, das schon länger zusammengespielt hatte. Man kannte sich sowie die Stärken und Schwächen der Spielerinnen, da man über Jahre hinweg gemeinsam auf dem Platz stand. Bei Union ist es jetzt so, dass die Mannschaft fast komplett neu ist und man sich erst einmal auf spielerischer, aber auch auf persönlicher Ebene kennenlernen musste. Ich glaube, das ist die Herausforderung für jede Einzelne von uns: sich auf die anderen einzulassen und die Leute auf dem Platz kennenzulernen, um zu wissen, wie man mit den einzelnen Spielerinnen kommunizieren kann. Ich denke, das ist der größte Unterschied, der bisher auf mich zukam.

Wenn es darum geht, diese Abstimmung auf dem Platz zu finden: Woran merkst du im Spiel, ob das Team Ruhe braucht – oder mehr Tempo? Und wie gibst du diese Wahrnehmung weiter?

Ich glaube, durch meine Rolle im defensiven Mittelfeld habe ich eine sehr gute Positionierung auf dem Platz und bin sehr zentral aufgestellt. Das heißt, man bekommt viel mit und ist immer inmitten des Geschehens. Ich merke, glaube ich, sehr schnell, wenn wir eine hektische Phase haben und es besser ist, noch einmal hintenrum zu spielen. Gleichzeitig nutze ich aber auch die Momente, in denen man sieht, dass der Gegner unorganisiert steht. Ich denke, dafür ist die Sechserposition wirklich eine Schlüsselposition, um der Mannschaft Halt und Rhythmus zu geben.

Im Hinspiel gegen Leverkusen war deine Emotion besonders sichtbar – eine Szene, die dir eine gelbe Karte einbrachte. Wie wichtig sind Emotionen für dein Spiel – und was geben dir solche Momente selbst?

Überwiegend habe ich meine Emotionen im Griff. Aber manchmal kommt es natürlich zu Emotionsausbrüchen, was meiner Meinung nach oft auch positiv ist, weil ich dadurch eine noch aggressivere und präsentere Spielweise an den Tag legen kann. Natürlich muss ich auch aufpassen, dass es nicht in gelben Karten ausartet. Aber in diesen Momenten gibt es mir sehr viel Energie und so eine „Jetzt-erst-recht“-Haltung. Deswegen zeichnet es mein Spiel auch ein Stück weit aus.

Woran arbeitest du aktuell am meisten, um dein Spiel weiterzuentwickeln?

Ich glaube, Athletik ist bei mir schon immer ein Thema. Ich versuche, mich in Bereichen wie Sprungkraft oder Beschleunigung ständig zu verbessern, aber eben auch im Positionsspiel, in der Vororientierung und bei meinem ersten Kontakt, um Ballsicherheit auszustrahlen. Das sind Dinge, die für eine zentrale Mittelfeldspielerin sehr wichtig sind.

Wenn du in einigen Jahren auf deine Zeit bei Union zurückblickst – woran würdest du festmachen, dass dieser Wechsel der richtige Schritt war?

Zurückblickend würde ich mich freuen, wenn ich einfach sehr happy mit der Mannschaft bin, wir guten Fußball gespielt und den Fans gute Ergebnisse geliefert haben. Dass ich dieses Projekt mit vorantreiben konnte und wir uns in der Bundesliga stetig verbessert haben. Am Ende wünsche ich mir, dass wir uns tabellarisch immer weiter nach oben entwickelt haben, Fußball mich glücklich gemacht hat und ich mich mit der Stadt und dem Verein hundertprozentig identifizieren konnte.

94826e9bc7c2466e8cef60d70062ee36

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert