
Drei Tage nach dem beeindruckenden 4:1-Sieg gegen Werder Bremen stand Innenverteidigerin Samantha Steuerwald am Donnerstag in der Pressekonferenz den Fragen der Medienvertreterinnen und -vertreter Rede und Antwort.
Für „Die Schlosserinnen“ war es das erste Mal in diesem Rahmen. Nach einem solchen Spiel fühlt es sich fast wie eine Verpflichtung an, das auszusprechen, was auf den Rängen am Montagabend zu spüren war.
Rückblick auf Bremen
„Danke für dieses sensationelle Spiel. Das hat richtig gut getan beim Zusehen. Es war eine überragende Leistung von euch und hat auf den Rängen einfach für Begeisterung gesorgt.“
Wie ist diese Woche nach dem Spiel bei euch im Training gelaufen – was hat diese Leistung mit der Mannschaft gemacht?
„Danke auch für das Feedback. Es war ein unfassbares Spiel. Hätte uns das vorher jemand gesagt, hätte das keiner so geglaubt. Dementsprechend ist die Stimmung auch sehr, sehr gut. Nach so einem 4:1 lässt es sich auch leichter trainieren. Man hat Selbstvertrauen getankt und blickt ganz positiv auf den Rest der Saison. Wir sind jetzt vier Spiele ungeschlagen. Das gibt einfach unfassbar Sicherheit. Und ich glaube, man sieht einfach diese Entwicklungen, die diese Mannschaft über die Saison gehen wollte. Dass es jetzt in der Rückrunde so ein bisschen fruchtet, tut einfach gut und zeigt sich auf jeden Fall positiv auf die Stimmung.“
Kettenverhalten und Nachrücken
Die Entwicklung sieht man auf jeden Fall, gerade in den letzten Spielen. Das Kettenverhalten war deutlich verbessert, die Abstände zwischen den Linien, das Nachrückverhalten war anders als noch in den Spielen davor. Habt ihr das nochmal trainiert beziehungsweise war das nochmal Thema?
„Das ist auf jeden Fall immer wieder Thema. Gerade nach der Hinrunde war es schon deutlich Thema. Es ist auf jeden Fall schön, dass es jetzt auch so ein bisschen fruchtet. Aber wir haben uns schon auch ein Stück weit Zeit genommen für unsere Taktik, auch für die Abstände. Das haben wir schon trainiert, muss ich sagen.“
Viererkette als Entwicklung
Das sieht man auch in der Formation. In der Hinrunde habt ihr noch zwischen Vierer- und Fünferkette oft gewechselt und spielt jetzt vor allen Dingen die Viererkette. Aber die Entscheidung, ob Vierer- oder Fünferkette, ist ja eigentlich immer nur der Ausdruck davon, was die Mannschaft braucht, um zu gewinnen. Was ist diese Entwicklung des Teams dahinter, dass jetzt diese Entscheidung immer wieder auf die Viererkette fällt?
„Ich glaube, wenn man sich die Hinrunde ein bisschen anschaut, sieht man auch, dass wir sehr viel Verletzungspech hatten. Viele Spielerinnen, die jetzt auf dem Feld stehen, haben vielleicht gefehlt. Und das sind Spielerinnen, die uns natürlich enorm Sicherheit geben. Vielleicht hatten wir in der Hinrunde auch manchmal den Ansatz, kompakter zu stehen und nicht so viele Gegentore zu bekommen. Es ist auch die erste Saison in der ersten Liga, vielleicht auch ein bisschen herantasten.
Ich glaube, jetzt sind wir an so einem Punkt, wo wir uns eingespielt haben und mutiger sein können.
Wir konnten uns über die Saison hinweg einspielen. Das gibt uns einfach Sicherheit. Die Abläufe sind jetzt einfach mehr drin. Und es macht auch mehr Spaß, weil wir einen größeren Kader zur Verfügung haben. Wenn ich mich an das Hinspiel gegen Bremen erinnere, sind wir da mit fünfzehn Spielerinnen hingefahren, drei aus der zweiten Mannschaft. Das war einfach eine ganz andere Situation und auch ein ganz anderer Ansatz, wie wir Fußball spielen wollten.“
Zusammenspiel im Zentrum
Das stimmt. Und dann kam im Winter auch noch eine neue Partnerin in der Innenverteidigung an deine Seite dazu mit Amber Tysiak. Was gibt dir Amber auf dem Platz für dein Spiel?
„Amber gibt mir einfach enorm Sicherheit. Ich glaube, wir sind schon unterschiedliche Spielertypen, aber trotzdem ergänzen wir uns echt gut. Ich habe oft das Gefühl, dass wir das gleiche Verständnis vom Fußballspielen haben. Das ist einfach sehr schön, weil man sich darauf verlassen kann. Es hat nicht lange gedauert zu verstehen, wie sie denkt. Deswegen ging es eigentlich echt sehr schnell bei uns. Ich bin sehr froh, sie neben mir zu haben. Ich glaube, wir harmonieren ganz gut zusammen und es macht einfach Spaß.“
Anspruch gegen Wolfsburg
(Frage aus der Runde): Wie blickt ihr auf das Spiel in Wolfsburg – was rechnet ihr euch aus?
„Die Vorfreude ist riesig. Man spielt immer gerne gegen Wolfsburg oder Bayern, weil das die besten Mannschaften in Deutschland sind. Natürlich möchte man sich mit den Besten messen. Wir sind selbstbewusst. Uns ist bewusst, dass sie eine englische Woche spielen und der Fokus vielleicht auf Lyon liegt. Das ist etwas, was wir nutzen wollen.
Ich fahre da hin und rechne mir Punkte aus.
Wenn wir so weitermachen wie zuletzt, bin ich zuversichtlich. Einfach wird es nicht, aber ich glaube schon, dass etwas zu holen ist, wenn wir einen guten Tag erwischen.“
Frage (aus der Runde): Welche Rolle spielt das Hinspiel gegen Wolfsburg noch?
„Die erste Halbzeit war richtig gut. Wir gehen mit 1:0 in die Halbzeit. Wenn das Spielglück ein Stück weit auf unserer Seite ist, wäre da schon was möglich gewesen. Hinten raus brechen wir ein bisschen ein, auch weil wir wenig wechseln konnten. Aber das bleibt im Kopf, dass wir eine richtig gute erste Halbzeit gespielt haben.“
Das ließ ich mich noch zu einer ergänzenden Nachfrage verleiten:
Plus das Testspiel, das ja auch sehr gut war und zusätzlich Selbstvertrauen geben.
„Ja, genau. Das Testspiel kommt auch noch hinzu.
Ich habe schon auch das Gefühl, dass Wolfsburg uns liegt.“
Standortbestimmung
Frage aus der Runde: Was nehmt ihr aus Spielen gegen Wolfsburg oder Bayern mit?
„Das sind genau die Spiele, wo man ganz genau weiß, wo man steht. Da werden dir klare Grenzen aufgezeigt. Ich finde, aus diesen Spielen lernt man enorm. Da siehst du genau, was noch fehlt und wo großes Potenzial ist.“
Wo ist dieses Potenzial?
„Wir können auf jeden Fall konstanter werden. Ich glaube, wir sind dieses Jahr eine kleine Achterbahn gefahren. Aber man darf nicht vergessen, dass es die erste Bundesligasaison ist. Es ist ein Prozess, und das wussten wir von Anfang an. Ich finde, wir haben uns enorm entwickelt.“
Verein und Perspektive
Du hast vorhin gesagt, dass du den Weg hier mitgehen willst. Jetzt ist ja dieses Jahr noch eine große Aktion mit dem Trainingszentrum – hat das deine Entscheidung beeinflusst?
„Es ist einfach eine große Wertschätzung, wie viel der Verein in uns investiert. Das gibt jeder Spielerin ein richtig gutes Gefühl. So etwas habe ich noch nicht erlebt.
Was hier entsteht, kann ganz groß werden. Als ich davon gehört habe, konnte ich mich sofort damit identifizieren und wollte diesen Weg mitgehen.“
Atmosphäre als Faktor
Beeinflusst eine solche Wucht in Infrastruktur und Bühne auch die Gegnerinnen? Ihr seid gegen Bremen mit einer ganz anderen Intensität auf den Platz gekommen. Wenn ihr vor dem Einlaufen im Tunnel steht und die Hymne ertönt und draußen die Fans laut singen. Merkt ihr, dass das in dem Moment auch etwas mit dem Gegner macht?
„Ich weiß es nicht genau, aber ich kann mir vorstellen, dass es so ist.
Als ich das erste Mal in dieses Stadion gelaufen bin, hatte ich am ganzen Körper Gänsehaut.
Ich glaube, das spürt jede Spielerin. Man bekommt auch das Feedback von anderen, dass jeder gerne hier spielt. Wenn das eine kleine Waffe von uns ist, nehmen wir das gerne.“
Ein Wunsch
Wenn wir den Blick noch einmal etwas größer werden lassen: Im Frauenfußball wird viel darüber diskutiert, wie der nächste TV-Vertrag aussehen könnte. Wenn du als Spielerin einen Wunsch hättest, was darin stehen sollte – was wäre das?
„Ich glaube, bei den Montagsspielen sind wir uns alle einig. Es wäre natürlich schön, wenn die abgeschafft werden.
Aber das sind Themen, bei denen ich keine Entscheidungsgewalt habe. Trotzdem ist das etwas, wo wir, glaube ich, alle einer Meinung sind.“




