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Nah am Sieg – und doch so fern

Union holt ein 1:1 in Freiburg. Ein Ergebnis, das beachtlich ist – und sich trotzdem nicht ganz richtig anfühlt.

Anna Weiß beim Torschuss zum 0:1 für Union Berlin gegen Freiburg, 14.02.2026
Anna Weiß erzielt das 0:1 für Union im Auswärtsspiel in Freiburg. Foto: IMAGO / Beautiful Sports

Einen Punkt in Freiburg hätte man vor dem Spiel sofort genommen. Auswärts bei einem etablierten Bundesligisten – auf diesem Niveau ist das kein Ergebnis, das man kleinredet, sondern wertschätzen muss.

Und trotzdem fühlt sich dieses 1:1 nicht unbedingt wie ein gewonnener Punkt an, sondern wie etwas, das liegen geblieben ist.

Denn je länger dieses Spiel dauerte, desto stärker entstand der Eindruck, dass hier nicht Freiburg dem Sieg näher war – sondern Union. Zumindest bis zum Ausgleich – und zu den Minuten danach, in denen Union plötzlich sogar froh sein musste, diesen Punkt überhaupt noch mitzunehmen, als eine Szene im Strafraum bereits stark nach Strafstoß wirkte.

Genau aus dieser Spannung heraus lässt sich dieser Nachmittag verstehen: als ein Ergebnis, das objektiv passt und sich gleichzeitig trotzdem nicht richtig anfühlt.

Die Ausgangslage dafür entstand schon vor der Pause. Union ging nach zunächst unruhigen ersten Minuten durch einen fulminanten Schuss von Anna Weiß in Führung und hatte sogar die Möglichkeit, diese Partie früher klarer in die eigene Richtung zu ziehen.

In der 31. Minute lief Dina Orschmann frei auf die Torhüterin zu, hatte Zeit für die Entscheidung – und entschied sich für den Tunnel, der hängen blieb. Es war nicht die eine vergebene Chance, die dieses Spiel erklärt. Aber eine Szene, die zeigte, wie nah Union in dieser Phase bereits an der Vorentscheidung war. Zur Pause stand ein 1:0, verdient – aber noch ohne echte Kontrolle über das Spiel.

Der Beginn der zweiten Halbzeit verschob das Bild deutlich. Union kam mit hoher Intensität aus der Kabine, lief früh an, gewann Bälle weit in der gegnerischen Hälfte und setzte Freiburg spürbar unter Druck. Saubere Aufbausituationen bekam der Gegner in dieser Phase kaum noch hin, das Spiel bewegte sich sichtbar in Richtung Freiburger Tor. Mit jeder Minute wuchs der Eindruck, dass hier eher das zweite Tor für Union fallen könnte als der Ausgleich.

Freiburg wirkte in diesen Minuten nicht mehr klar in den Abläufen, sondern wie eine Mannschaft, die nur noch versuchte, im Spiel zu bleiben – wie ein angeschlagener Boxer, der zwar noch steht, aber taumelt. Genau dort lag die Möglichkeit, diese Partie endgültig zu entscheiden. Sie wurde nicht genutzt.

Mehr als nur Chancen

Nach dem Spiel wird der Blick fast zwangsläufig auf die Chancenverwertung fallen. Wie schon nach Jena. Wie so oft in Spielen, die Union nicht gewinnt.

Doch diese Erklärung greift zu kurz.

Denn die Abschlusspositionen waren besser als zuletzt, die Wege in die gefährlichen Räume klarer, die Chancen qualitativ höher. Gegen Freiburg gab Union neun Abschlüsse innerhalb des Strafraums und nur fünf aus der Distanz ab. Im Spiel gegen Jena lag das Verhältnis noch bei neun zu dreizehn – war also noch deutlich stärker von Abschlüssen außerhalb geprägt.

Entscheidend war weniger die Häufigkeit der Strafraumbesuche an sich, sondern die Qualität der erreichten Abschlussräume. Union kam klarer in wirklich gefährliche Positionen als noch gegen Jena und näher an das zweite Tor als in der Partie zuvor.

Dass der Treffer trotzdem nicht fiel, verändert dann aber wieder mal ein Spiel. Gerade deshalb entscheidet sich in solchen Momenten auch die Frage, ob eine Mannschaft noch andere Wege findet, ein Spiel zu „töten“.

Wege zum Sieg

Und genau hier beginnt die eigentliche Frage dieses Nachmittags. Was passiert, wenn eine Mannschaft führt, das zweite Tor aber nicht gelingt? Wenn der Weg über weitere Treffer versperrt bleibt – welche andere Möglichkeit hat sie dann noch, ein Spiel zu gewinnen?

Bei Union wirkte es erneut so, als gäbe es nur einen Plan: noch ein Tor.

Bleibt dies allerdings aus und entstehen stattdessen gute Kontersituationen für Freiburg, wird das Spiel zwangsläufig unruhiger – Hektik, offene Räume und genau die Situationen, in denen Spiele kippen können. So auch in Freiburg.

Der Ausgleich entstand nicht aus Dominanz, sondern aus genau dieser Offenheit. Im Zentrum bekam die Freiburgerin Lia Karl zu viel Raum, konnte den Ball über mehrere Schritte tragen, ohne früh genug gestört zu werden. Ein Zugriff kam nicht mehr zustande. Trotz 3-zu-1-Überzahlsituation auf letzter Linie kam Samantha Steuerwald nicht mehr in den Zweikampf, während die Freiburger Angreiferin Svenja Fölmli sich mit einer kleinen Körpertäuschung ausreichend Raum verschaffen konnte. Der Abschluss folgte: 1:1.

Und plötzlich stand nicht mehr die Frage im Raum, wie Union dieses Spiel gewinnt – sondern ob dieser Punkt überhaupt gehalten werden kann.

An diesem Tag war es ein Konter zu viel. Ein Angriff, der zugleich die asymmetrische Stabilität in der Defensive aufdeckte.

Ein Blick in die Zweikampf- und Passwerte kann diesen Eindruck verdeutlichen: Amber Tysiak gewann vier ihrer fünf Bodenzweikämpfe (80 %) und beide Luftduelle (100 %) bei einer Passquote von 71 Prozent. Samantha Steuerwald gewann zwei von vier Bodenzweikämpfen (50 %), nur ein Viertel ihrer Luftduelle und kam auf 47 Prozent Passquote. So entstand im Zentrum der Abwehr kein kollektiver Stabilitätsverlust, sondern ein asymmetrisches Bild, in dem Sicherheit und Unsicherheit nebeneinanderstanden.

Reife auf diesem Niveau zeigt sich aber nicht nur im Toreschießen und im Verhindern von Gegentoren, sondern auch im Spielmanagement. In der Fähigkeit, eine Führung auch dann über die Zeit zu bekommen, wenn das zweite Tor vorne nicht fällt. Andere Wege zum Sieg zu finden, das Tempo zu beruhigen, Räume zu schließen, Risiken zu reduzieren und defensive Stabilität bewusst zu erhöhen – kurz: eine zweite Sieg-Option zu besitzen.

Genau diese Option fehlte Union an diesem Nachmittag.

Die Minuten vor Schluss erzählten eine bekannte Geschichte: Führung vorhanden, Nachlegen gelingt nicht, das Spiel bleibt offen. Und statt es bewusst zu schließen, bleibt es offen.

Vielleicht hätte genau dort die Entscheidung auf der Bank liegen können. Zehn Minuten vor Schluss, keine Vorentscheidung gelungen, der Gegner wechselt mit Sophie Nachtigall eine weitere Offensivkraft ein – warum nicht die Struktur verändern, defensiv absichern, zum Beispiel eine zusätzliche Innenverteidigerin bringen, die Absicherung im Zentrum verstärken. Nicht schöner gewinnen, sondern in dem Moment absichern, was man hat. Ganz nach dem Motto „Park the bus“.

Der Mannschaftsbus des 1. FC Union Berlin parkt vor dem Dreisamstadion in Freiburg.
„Park the bus“ im Breisgau Foto: Rainer Jaurisch

Der nächste Schritt ist nicht weit

Und trotzdem erzählt dieses 1:1 keine negative Geschichte. Es erzählt davon, dass Union sich das Recht erspielt hat, mit einem Punkt in Freiburg unzufrieden zu sein.

Wer einen etablierten Gegner so weit bringt, dass er taumelt, hat die Qualität für ganz oben bereits in den Beinen.

In Freiburg hat vielleicht noch die letzte Abgeklärtheit gefehlt. Aber dass sich ein Unentschieden wie eine verpasste Chance anfühlt, ist der deutlichste Beweis für die eigene Leistungsfähigkeit.

Der nächste Schritt ist nicht mehr weit – man muss ihn jetzt nur noch gehen und sich belohnen.

Ausblick

Die nächste Gelegenheit gibt es schon am Freitag, den 20.02.2026, um 18:30 Uhr. Im Stadion An der Alten Försterei kommt am 19. Spieltag der Google Pixel Frauen-Bundesliga der 1. FC Köln zu Gast.

Noch keine Karte? Dann unbedingt auf den Banner klicken und im Ticketshop vorbeischauen:

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Grafik: 1. FC Union Berlin

PK

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