Union zieht mit einem souveränen 5:0 beim 1. FC Magdeburg ins Achtelfinale des DFB-Pokals ein. Ein Sieg war Pflicht. Interessanter ist, was dieser Nachmittag über Nele Bauereisen, Unions Offensive und die Entwicklung der vergangenen Wochen erzählt.

Ein 5:0 gegen einen Regionalligisten lässt sich leicht abhaken. Klassenunterschied, Favoritenrolle erfüllt, nächste Runde. Fertig. Das wäre für diesen Nachmittag zu wenig.
Denn Union hat in Magdeburg einige Dinge gezeigt, die in den ersten Wochen der Saison noch gefehlt hatten: eine funktionierende Verbindung zur Spitze, unterschiedliche Wege in den Strafraum und vor allem eine Nele Bauereisen, die nicht nur selbst gefährlich wurde, sondern fast jeden Angriff um sie herum besser machte. Ein Tor, vier Vorlagen. An allen fünf Treffern direkt beteiligt. Als Bauereisen nach 78 Minuten vom Platz ging, war ihre Bewerbung längst geschrieben.
Bauereisens Bewerbung begann nicht in Magdeburg
Der Pokalauftritt sieht auf dem Papier wie ein Ausreißer aus. Tatsächlich fügt er sich ziemlich gut in Bauereisens Saisonstart. Vor Magdeburg hatte sie in der Bundesliga gerade einmal 158 Minuten gesammelt. Fünf Einsätze, kein einziger davon von Beginn an. Keine Unionerin wurde bislang häufiger eingewechselt. Und trotzdem stand Bauereisen schon bei zehn Abschlüssen und 1,29 xG. Nur Eileen Campbell hatte mit 13 Abschlüssen mehr – allerdings in 416 Minuten. Beim xG lagen beide beinahe gleichauf.
Noch deutlicher wird die Frühform im Vergleich mit Bauereisens Vorsaison. Damals sammelte sie in 16 Einsätzen und 448 Minuten 1,18 xG. Jetzt liegt sie nach fünf Bundesligaspielen und etwas mehr als einem Drittel dieser Einsatzzeit bereits darüber. Auch ihre Passquote stieg deutlich von 59 auf 73,7 Prozent.
158 Minuten bleiben eine kleine Datenbasis. Aber die Richtung ist auffällig: Bauereisen braucht bislang erstaunlich wenig Zeit, um im letzten Drittel Wirkung zu entwickeln.
Magdeburg war nicht der Beginn dieser Frühform. Es war ihr bislang lautester Beleg.

Diesmal verschwand die Spitze nicht
Noch interessanter ist, wie ihre fünf Torbeteiligungen zustande kamen. In den vergangenen Ligaspielen war die Rolle im Sturmzentrum eines der offensichtlichsten Berliner Probleme. Lisa Heiseler kam gegen Frankfurt in 61 Minuten auf 21 Ballkontakte. Sophie Weidauer hatte in Köln in 56 Minuten gerade einmal 14. Unterschiedliche Spielerinnen, ähnliche Isolation. In Magdeburg sah das anders aus.
Bauereisen wartete nicht nur auf den letzten Ball. Sie wurde selbst Teil der Kombination. Beim 2:0 brachte Tomke Schneider den Ball von rechts, Bauereisen legte per Kopf für Weidauer ab. Vor dem 3:0 landete ihre Ablage bei Lia Kamber im Rückraum. Nach der Pause bediente sie zweimal Naika Reissner, die beide Angriffe aus halblinker Position vollendete.
Die Spitze war diesmal keine Endstation, sondern eine Verbindung. Der erste Ball musste nicht perfekt sein. Es gab eine Ablage, eine zweite Bewegung, eine nächste Spielerin. Davon profitierte auch Weidauer. Beim 2:0 musste sie den Angriff nicht erst selbst verbinden. Schneider bringt den Ball, Bauereisen verlängert, Weidauer beendet.
So einfach kann ein Sturmzentrum aussehen, wenn rundherum die Abstände stimmen.
Und plötzlich ist Kamber überall
Fast ein bisschen unter geht dabei, was gerade mit Lia Kamber passiert. Zu Saisonbeginn wurde sie deutlich höher eingesetzt. Gegen Freiburg und Frankfurt tauchte sie phasenweise weit vorne auf – und damit häufiger in Räumen, in denen sie weniger Zugriff auf das Spiel bekam. Nach den ersten drei Bundesligaspielen standen bei ihr 0 Tore, 0 Assists, gerade einmal 0,15 xG und 0,14 xA. Auch in der Schlosserinnen Top 3 spielte sie zunächst kaum eine Rolle.
Seit Köln holt sich Kamber die Bälle deutlich häufiger tiefer ab. Nach Lisanne Gräwes frühem Ausscheiden wurde das dort beinahe zwangsläufig – und plötzlich war sie wesentlich stärker eingebunden.
Sie konnte aufdrehen, hatte mehr vom Feld vor sich und kam viel häufiger in Situationen, in denen sie selbst bestimmen konnte, wie Union einen Angriff fortsetzt. Diese Rolle scheint ihr deutlich besser zu liegen, als weit vorne in der gegnerischen Innenverteidigung gebunden zu sein. Gegen Leipzig folgten sechs Abschlüsse und vier Schlüsselpässe, 0,46 xG und 0,53 xA, ein Tor und ein Lattentreffer. 58 Ballkontakte zeigten zusätzlich, wie viel stärker sie am Berliner Spiel beteiligt war.
Inzwischen gehört sie auch in unserer Saisonwertung regelmäßig zu den Besten. Und nun Magdeburg: wieder ein Tor. Wieder aus genau jenem Raum, in dem sie besonders wertvoll sein kann. Bauereisen legt zurück, Kamber kommt aus der Tiefe – 3:0.
Gerade angesichts der Ausfälle von Lisanne Gräwe und Tanja Pawollek bekommt diese Entwicklung zusätzlich Gewicht. Kamber ersetzt beide nicht eins zu eins. Aber sie fängt einen Teil der fehlenden Spielsteuerung auf: Bälle holen, Mannschaftsteile verbinden, Angriffe antreiben – und trotzdem selbst wieder in gefährliche Räume kommen.
Seit sie tiefer steht, hat Kamber deutlich mehr Zugriff auf das Spiel. Sie bekommt mehr Bälle, sieht mehr vom Feld und kann genau die Fähigkeiten einbringen, die sie trotz ihres jungen Alters schon besitzt: Angriffe ordnen, Tempo bestimmen und das Berliner Spiel mit anleiten.
Ein Spiel, von dem fast der ganze Kader etwas hatte
Das 5:0 war für Marie-Louise Eta auch eine Gelegenheit, Spielzeit zu verteilen, ohne die Struktur zu verlieren.
Zur Pause wechselte sie mit Tomke Schneider und Judit Pujols beide Außenverteidigerinnen aus. Anna Weiß und Judith Steinert übernahmen. Gerade dort, wo Union Breite und Tempo erzeugen wollte, standen damit über 90 Minuten frische Kräfte zur Verfügung. Auch danach nutzte Eta den Spielstand. Dina Orschmann bekam ab der 58. Minute gut eine halbe Stunde – deutlich mehr als gegen Leipzig. Gerade nach ihrer längeren Pause sind solche Einsätze wertvoller als ein paar symbolische Schlussminuten.
Ähnliches gilt für Leona Seifert. Die 17-Jährige kam in der 78. Minute für Bauereisen und bekam damit noch echte Spielzeit. Für ein Talent ihres Alters sind solche Minuten wichtiger als ein Einsatz, der nur für die Statistik reicht. Auf der anderen Seite mussten Eileen Campbell und Jill Janssens überhaupt nicht mehr ran. Beide werden in dieser Saison noch oft genug gebraucht. Jella Veit absolvierte dagegen die komplette Partie, ebenso Weidauer, Egli, Kamber und Reissner. Bauereisen bekam 78 Minuten und machte daraus fünf Torbeteiligungen.
So wurde aus einem Pflichtsieg ein Nachmittag, an dem fast der gesamte Kader etwas gewinnen konnte: Selbstvertrauen, Rhythmus, Spielzeit – oder schlicht eine Pause.
Was davon trägt gegen Stuttgart?
Eta sprach anschließend von einer Partie, die Union über 90 Minuten „seriös heruntergespielt“ habe. Nach den ersten Wochen war gerade das bemerkenswert: 3:0 zur Pause, 22 Sekunden nach Wiederanpfiff das 4:0 – diesmal kein Konzentrationsloch, sondern sofort wieder Kontrolle. Der einzige Wermutstropfen war Samantha Steuerwald. Sami musste in der 58. Minute verletzt raus, Amber Tysiak übernahm. Eine Pause hätte ihr ohnehin gutgetan: Bis dahin hatte sie jede Bundesliga-Minute dieser Saison gespielt.
Bleibt zu hoffen, dass es nichts Größeres ist. Gute Besserung, Sammy!
Mehr sollte man aus einem Sieg gegen einen Regionalligisten trotzdem nicht machen. Entscheidend ist weniger das 5:0 als das, was dabei funktioniert hat: Bauereisen verbindet die Spitze, Kamber bekommt aus tieferer Position deutlich mehr Zugriff auf das Spiel, Reissner kommt in gute Abschlussräume und Eta kann den Kader sinnvoll verteilen.
Tomke Schneider, die auch in Magdeburg wie schon in den vergangenen Wochen eine sehr starke Leistung zeigte, sagte anschließend, sie hoffe, dass nach Leipzig und den fünf Toren nun endgültig der Knoten geplatzt sei.
Stuttgart wird zeigen, ob daraus schon mehr geworden ist als zwei gute Spiele.
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Mit der Analyse ist der Spieltag bei uns noch nicht vorbei.
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