1969–1971 Kapitel 1 von 7

Sie wollten selbst auf den Platz

Die Anfänge des Frauenfußballs beim 1. FC Union Berlin

Abschnitte dieses Kapitels

Sie waren jung, sie mochten Fußball und sie wollten nicht länger nur zuschauen. Im September 1969 gründeten Studentinnen aus Köpenick die erste Frauenmannschaft des 1. FC Union Berlin. Was mit gerade einmal acht Spielerinnen begann, wurde zu einer Geschichte über Freundschaft, Selbstbehauptung und die Freude am Fußball. Doch schon zwei Jahre später mussten die Frauen ihren Verein wieder verlassen.

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Historische Mannschaftsaufnahme der Frauen des 1. FC Union Berlin, vermutlich um 1970. Die Aufnahme ist undatiert, der Aufnahmeort konnte bislang nicht identifiziert werden. Hintere Reihe:2. von links: Sabine Landsberger; 2. von rechts: Jutta Lange; ganz rechts: Margret Barth (heute Kattner). Vordere Reihe: 1. von links: Renate Kreklau (heute Richter); 2. von links: Torhüterin Gabriele Palm (heute Stiller); 4. von links: Monika Pauly; 5. von links: Marina Bastian; ganz rechts: Dagmar Dorszewski (heute Rösler). Weitere abgebildete Personen konnten bislang nicht identifiziert werden. Die Identifizierung der Spielerinnen und die Datierung stammen aus einer Auskunft des Archivs des 1. FC Union Berlin vom 2. November 2026Bildnachweis: Foto privat | Archiv des 1. FC Union Berlin

Sechs oder sieben Frauen und eine Idee

Es beginnt in einer Seminargruppe am Institut für Lehrerbildung in Köpenick. Zwei junge Frauen haben bereits einen Schiedsrichterlehrgang absolviert und leiten Nachwuchsspiele des 1. FC Union Berlin. Sie kennen die Regeln, stehen regelmäßig auf dem Fußballplatz und beobachten, wie andere spielen. Irgendwann wollen sie es selbst versuchen. Also fragen sie ihre Mitstudentinnen, wer Lust hätte, mitzumachen. [2] [3]

Eine von ihnen ist Silvia Trompeteler, damals noch keine zwanzig Jahre alt. Fußball hat sie bis dahin kaum gespielt. Bei ihrem ersten Stadionbesuch mit einem Freund hatte sie nach eigener Erinnerung nicht einmal alle Regeln verstanden. Andere Studentinnen kennen sich eher mit Handball aus. Aber die Idee kommt an. [2]

Die jungen Frauen werden am Institut für Lehrerbildung in der Köpenicker Dammvorstadt auf den Lehrerberuf vorbereitet. Das markante Schulgebäude an der Lindenstraße, Ecke Bahnhofstraße, liegt nicht weit von der Alten Försterei entfernt. Und Union ist für die Studentinnen mehr als irgendein Fußballverein. [1]

Der Klub ist erst 1966 gegründet worden, hat zwei Jahre später den FDGB-Pokal gewonnen und gilt im Ost-Berliner Fußball als Außenseiter. Gerade das gefällt den Frauen. Silvia Trompeteler erinnert sich später daran, dass sie bewusst zu Union wollten. Nicht zu einem der etablierten Klubs der Hauptstadt, sondern zu den Köpenickern. [9] [8]

Sechs oder sieben Studentinnen machen sich schließlich auf den Weg zur Vereinsführung. Sie tragen ihren Wunsch vor, eine eigene Frauenmannschaft aufzubauen.

Dort treffen sie auf Günter Mielis. Der damalige Klubfunktionär, der später Vorsitzender und Ehrenpräsident von Union werden sollte, nimmt die jungen Frauen ernst. Er unterstützt ihr Vorhaben und sorgt dafür, dass sie einen Trainingsplatz, Bälle und Sportkleidung bekommen. [3] [8]

Aus einer Idee wird plötzlich etwas ganz Konkretes.

Acht Spielerinnen sind noch keine Elf

Am 22. September 1969 findet auf einer Nebenanlage der Alten Försterei das erste dokumentierte Training der Union-Frauen statt. [3]

Eine vollständige Mannschaft gibt es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Anfangs sind es gerade einmal acht Spielerinnen. Manchmal müssen junge Frauen aus anderen Sportarten aushelfen, damit überhaupt genügend Leute auf dem Platz stehen. Für die meisten beginnt das Fußballspielen praktisch bei null.

Sabine Landsberger hat ihre Begeisterung für diesen Sport erst zwei Jahre zuvor entdeckt. Während der Ferienspiele 1967 musste sie einen Jungen beaufsichtigen, der nicht an einem gemeinsamen Ausflug teilnehmen durfte. Die beiden verbrachten mehrere Stunden auf einem Fußballplatz. Der Schüler zeigte ihr, wie man richtig gegen einen Ball tritt. Für Landsberger war es die erste intensive Begegnung mit einer Sportart, die sie bis dahin kaum gekannt hatte. Nun gehört sie zu einer Mannschaft, die erst noch lernen muss, gemeinsam Fußball zu spielen. [2]

Unterstützung bekommen die Frauen von Bernd Müller und Bernd Vogel, zwei Spielern aus dem Union-Männerbereich, die als frühe Betreuer der Mannschaft überliefert sind. Sie helfen bei den technischen Grundlagen und beim Training. Dass genügend Frauen kommen, müssen die Studentinnen allerdings selbst organisieren. [3]

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Union-Frauen im Dezember 1969: Nur wenige Monate nach ihren ersten Trainingseinheiten präsentiert sich die junge Frauenfußballmannschaft des 1. FC Union Berlin in der Jungen Welt. Für die „DDR-Sportlerumfrage 69“ unterbrechen die Spielerinnen ihr Training und stellen sich dem Fotografen.Foto: Wulf Olm / Junge Welt, 4. Dezember 1969 (Zeitungsausschnitt)

Zu den Spielerinnen der ersten Generation gehören neben Sabine Landsberger und Elke Trompeteler auch Waltraud Krüger und Margret Barth, die später unter dem Namen Margret Kattner als Kapitänin beschrieben wird. Inzwischen lassen sich weitere Frauen aus den Anfangsjahren namentlich zuordnen: Jutta Lange, Renate Kreklau (später Richter), Torhüterin Gabriele Palm (später Stiller), Monika Pauly, Marina Bastian und Dagmar Dorzsewski (später Rösler). Die Namen geben jener frühen Mannschaft zunehmend ein Gesicht, auch wenn bis heute nicht alle Spielerinnen identifiziert werden konnten. [10]

Sabine Landsberger führt damals Kalender, in denen sie auch die Erlebnisse ihrer Fußballmannschaft festhält. Jahrzehnte später kann sie daraus noch genaue Daten und kleine Begebenheiten vorlesen. Darunter auch ihre Freude über den Tag, an dem endlich elf Frauen zusammengekommen sind. Etwa einen Monat nach dem ersten Training ist es so weit gewesen. [2]

Was heute die selbstverständlichste Voraussetzung für ein Fußballspiel ist, mussten sich die jungen Unionerinnen erst erarbeiten: eine eigene Mannschaft.

Das erste Spiel

Am 17. Januar 1970, einem Samstag, steht das erste genau dokumentierte Spiel auf dem Programm. Der Gegner kommt aus dem eigenen Verein: die erste Knabenmannschaft des 1. FC Union Berlin. [2] [3]

Die Frauen sind ungefähr siebzehn oder achtzehn Jahre alt. Ihre Gegenspieler erst zehn bis zwölf. Eigentlich könnte man meinen, dass die körperlich größeren und älteren Spielerinnen im Vorteil sind.

Doch die Jungen spielen bereits seit Jahren Fußball. Sie sind technisch weiter, schneller am Ball und vor allem unglaublich wendig. Für die Anfängerinnen ist es schwer, mit ihnen Schritt zu halten.

Am Ende verlieren die Union-Frauen mit 1:7.

Als Sabine Landsberger und Silvia Trompeteler fast fünfzig Jahre später in einem Interview mit der taz davon erzählen, müssen sie über die Erinnerung noch immer lachen. Die kleinen Jungen seien ständig um sie herumgelaufen, berichten sie. Bis man sich selbst umgedreht hatte, waren die Gegenspieler längst wieder verschwunden. [2]

Wer damals das einzige Tor für die Frauen erzielte, wissen beide nicht mehr. Das genaue Datum dagegen ist erhalten geblieben – dank Landsbergers Kalenderaufzeichnungen.

Die deutliche Niederlage entmutigt die Mannschaft nicht. Solche Spiele gehören zunächst einfach dazu. Andere Frauenteams sind noch selten, einen regelmäßigen Wettbewerb gibt es nicht. Wer Fußball spielen will, muss nehmen, was sich organisieren lässt. Und die Frauen wollen weiterspielen. [2]

Sie trainieren regelmäßig, nach Landsbergers Aufzeichnungen jeden Montag. Aus der gemeinsamen Sportidee wird bald auch eine feste Gemeinschaft. Die meisten kennen sich aus dem Studium, verbringen viel Zeit miteinander und treffen sich gelegentlich nach dem Training noch in einer Kneipe. [2]

Dass sie damit ein Stück weit den Gewohnheiten der männlichen Fußballer folgen, erzählen sie später mit Vergnügen. In ihren Erinnerungen ist diese Zeit nicht von großen sportlichen Erfolgen geprägt, sondern von Freundschaften, gemeinsamen Erlebnissen und einer gehörigen Portion Spaß.

Dabei ist Frauenfußball in ihrem Umfeld alles andere als selbstverständlich.

Silvia Trompetelers Eltern sind von ihrer Begeisterung wenig angetan. Schon einige Jahre zuvor hatte ihr Vater ihr verboten, beim Frauen-Judo mitzumachen. Das sei nichts für Mädchen, hatte er ihr erklärt. Nun spielt seine Tochter ausgerechnet Fußball, eine Sportart, die damals noch viel stärker mit Männern und Jungen verbunden wird. [2]

Solche Vorbehalte begegnen den Spielerinnen auch außerhalb ihrer Familien. Sie hören spöttische Bemerkungen, werden belächelt und müssen sich Witze über einen möglichen Trikottausch nach dem Spiel anhören. Die Reaktionen sind nicht immer freundlich. Doch die Frauen lassen sich davon nicht abbringen.

Eine politische Demonstration wollen sie aus ihrem Fußball nie machen. Die Gründerinnen betonen in späteren Interviews ausdrücklich, dass sie nicht aus einer frauenpolitischen Bewegung heraus gehandelt hätten. Sie wollten etwas ausprobieren, das ihnen Freude machte. Gerade darin liegt eine Besonderheit ihrer Geschichte. [8]

Sie müssen keine gesellschaftlichen Forderungen formulieren, um etwas zu verändern. Schon dass sie selbst Fußball spielen, statt nur zuzusehen oder Spiele zu pfeifen, widerspricht verbreiteten Vorstellungen davon, welche Sportarten für junge Frauen geeignet seien.

In der DDR ist Frauenfußball zwar nicht grundsätzlich verboten. Anders als in der Bundesrepublik, wo der Deutsche Fußball-Bund sein Verbot erst am 31. Oktober 1970 aufhebt, können Frauen offiziell Fußball spielen. Doch zwischen einer Erlaubnis und tatsächlichen Möglichkeiten liegt ein erheblicher Unterschied. Es fehlen Mannschaften, Wettbewerbe und eine mit dem Männerfußball vergleichbare Förderung. [6]

Die Köpenicker Studentinnen bekommen deshalb nicht einfach einen Platz in einem bestehenden Frauenfußballbetrieb. Sie gehören zu denen, die diesen Betrieb erst möglich machen.

Wer spielt eigentlich gegen uns?

Mit der Zeit finden die Unionerinnen weitere Mannschaften, gegen die sie antreten können.

Zu den überlieferten Gegnerinnen aus den Anfangsjahren gehören Grün-Weiß Baumschulenweg, Empor Treptow und Lichtenberg 47. Die Begegnungen sind zunächst Freundschaftsspiele. Viele genaue Termine und Ergebnisse sind nicht erhalten geblieben. Dass überhaupt Spiele zustande kommen, ist damals keine Selbstverständlichkeit. [3] [5]

Auch anderswo in Ost-Berlin müssen Frauen erst Mitspielerinnen finden und Mannschaften aufbauen. Noch im April 1971 sucht die neu gegründete Frauenmannschaft von EAB Lichtenberg 47 über eine Meldung in der Berliner Zeitung nach möglichen Gegnerinnen. [6]

Es ist eine Zeit, in der der Frauenfußball langsam zusammenwächst. Die Spielerinnen kennen einander häufig über persönliche Kontakte. Trainingsmöglichkeiten, Freundschaftsspiele und Fahrten zu den Gegnerinnen müssen organisiert werden. Eine gewachsene Vereins- und Wettbewerbsstruktur, wie sie bei den Männern längst existiert, fehlt weitgehend.

Die Unionerinnen sind dabei nicht nur selbst auf dem Platz aktiv. Einige von ihnen leiten weiterhin Spiele als Schiedsrichterinnen. Sabine Landsberger und Silvia Trompeteler erinnern sich später sogar an einen Einsatz bei einer vom DDR-Fernsehen begleiteten Begegnung. Die Verantwortlichen hatten ausdrücklich weibliche Schiedsrichterinnen gewünscht. [3] [8]

Für die jungen Frauen bedeutet der Fußball damit mehr als die wöchentliche Trainingseinheit. Sie lernen andere Menschen kennen, übernehmen Verantwortung und sammeln Erlebnisse, die über die Grenzen ihrer Seminargruppe hinausreichen.

Eine professionelle sportliche Laufbahn streben sie nicht an. Dafür sind die Voraussetzungen ohnehin kaum vorhanden. Aber sie haben etwas geschaffen, das ihnen vorher gefehlt hat: eine Möglichkeit, regelmäßig selbst Fußball zu spielen.

Und gelegentlich führt sie dieser Fußball sogar weit über Köpenick hinaus.

Ein Ostersonntag in Tangermünde

Am 11. April 1971 reisen die Union-Frauen nach Tangermünde. [7]

Die dortige Betriebssportgemeinschaft Empor feiert ein Vereinsjubiläum und möchte ihren Gästen ein Frauenfußballspiel präsentieren. Dafür hat sie die Mannschaft aus Berlin eingeladen. Es ist ein besonderes Ereignis für die Köpenickerinnen. Bis dahin haben sie vor allem in Berlin gespielt, häufig vor Angehörigen, Freunden und anderen Menschen aus ihrem unmittelbaren Umfeld.

In Tangermünde erwartet sie eine ganz andere Kulisse. Rund 1.500 Menschen verfolgen nach der späteren Vereinsüberlieferung die Begegnung am Ostersonntag. Für eine Frauenmannschaft, die erst anderthalb Jahre zuvor mit einer Handvoll Anfängerinnen begonnen hat, ist das eine bemerkenswerte Zahl. [7]

Sportlich behalten die Gastgeberinnen die Oberhand. Empor Tangermünde gewinnt mit 3:1. Doch das Ergebnis ist nicht das, was von diesem Tag am stärksten in Erinnerung bleibt. [7]

Für Sabine Landsberger gehört die Fahrt nach Tangermünde noch Jahrzehnte später zu den besonderen Erlebnissen ihrer ersten Fußballjahre. Es ist eine dieser Reisen, bei denen deutlich wird, was aus der kleinen Gruppe aus Köpenick inzwischen geworden ist.

Die Frauen haben eine Mannschaft aufgebaut, Gegnerinnen gefunden und sind nun Teil einer wachsenden Fußballbewegung, die auch außerhalb Berlins auf Interesse stößt. Dass Frauenfußball nicht überall nur belächelt wird, zeigt auch die große Zahl der Menschen am Spielfeldrand.

Das Spiel in Tangermünde bleibt eines der herausragenden Ereignisse der kurzen ersten Union-Zeit. Noch viele Jahre später erinnern sich Spielerinnen beider Mannschaften daran. Im Frühjahr 1971 gibt es für die Unionerinnen jedenfalls gute Gründe, weiterzumachen.

Doch ihre Zukunft im Verein ist bereits in Gefahr.

Nur eine Straße – und doch ein Abschied

1971 beginnt der DDR-Fußballverband, den Frauenfußball stärker in seine bestehenden Strukturen einzuordnen.

Die Sportart wird dem Freizeit- und Erholungssport beziehungsweise dem sogenannten Volkssport zugerechnet. Für die Frauen entstehen damit einerseits neue Möglichkeiten eines geregelten Spielbetriebs. Andererseits bleibt ihnen die Förderung vorbehalten, die der staatlich organisierte Leistungssport erhält.

Für die Mannschaft aus Köpenick hat diese Unterscheidung schwerwiegende Folgen.

Der 1. FC Union Berlin ist seit seiner Gründung 1966 als Fußball-Leistungsklub organisiert. Nach den damaligen Bestimmungen dürfen solche Klubs keine Freizeitmannschaften unterhalten. Union kann seine Frauenmannschaft deshalb nicht weiterführen. Das ist keine freie Entscheidung des Vereins, sondern die Folge einer übergeordneten Regelung des DDR-Fußballverbandes. [3] [8]

Damit endet die erste Zeit der Frauen beim 1. FC Union Berlin nach nur zwei Jahren.

Für die Spielerinnen ist es ein schmerzhafter Abschied. Sie haben bewusst diesen Klub gewählt, bei ihm Unterstützung gefunden, ihre ersten Trainingseinheiten absolviert und ihre ersten Spiele bestritten. Sie fühlen sich als Unionerinnen. Nun müssen sie unter einem anderen Namen weiterspielen.

Eine Möglichkeit bietet das Kabelwerk Oberspree. Der große Industriebetrieb in Oberschöneweide ist bereits eng mit Union verbunden und gehört zu den Betrieben, die den Klub mittragen. Außerdem verfügt er über eigene Sportanlagen an der Wuhlheide, gegenüber der Alten Försterei. Der Wechsel liegt also nahe. [3]

Die Frauen schließen sich einer Volkssportgemeinschaft beim Kabelwerk an. Aus dieser Struktur wird später die Betriebssportgemeinschaft Kabelwerk Oberspree, die BSG KWO, hervorgehen. Doch das ist zu diesem Zeitpunkt noch Zukunft. [3]

Im Sommer 1971 geht es für die jungen Frauen zunächst um etwas viel Einfacheres: Sie wollen weiterhin Fußball spielen. Silvia Trompeteler erinnert sich Jahrzehnte später daran, dass sie für den Vereinswechsel praktisch nur die Straße überqueren mussten. Räumlich bleibt ihre sportliche Heimat also fast dieselbe. Emotional ist der Abstand deutlich größer. Denn die Frauen wechseln nicht, weil sie sich von Union abwenden wollen. Sie müssen einen Verein verlassen, bei dem sie sich gerade erst eine eigene Mannschaft aufgebaut haben. [8]

Zwei Jahre zuvor waren sie mit einer Idee zur Vereinsführung gegangen. Jetzt gibt es diese Mannschaft tatsächlich. Sie haben zusammen trainiert, verloren, Tore geschossen, Auswärtsfahrten erlebt und neue Freundschaften geschlossen.
Der Fußball, den sie sich selbst ermöglicht haben, soll weitergehen. Doch eigentlich hatten sie genau das gewollt: gemeinsam für Union spielen. Nun mussten sie ihren Weg außerhalb des Vereins fortsetzen. Die Mannschaft konnte weiterspielen. Das Union-Wappen musste sie zurücklassen.

EISERN SEIT 1969 · DEIN BEITRAG1969–1971

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AUS DEM ARCHIV · FUNDSTÜCKE

Spuren aus der Anfangszeit

Was von den ersten Jahren überliefert ist – und wie die Geschichte später wiederentdeckt wurde.

1969

Eine Nachricht im Union-Programmheft

Sabine Landsberger erinnert sich 2019, dass die Vereinsführung der ersten Frauenmannschaft auch in einem Union-Programmheft Platz einräumte. Der damalige Beitrag selbst liegt für diese Darstellung noch nicht im Original vor.

Quelle 2 ↘
2017

Die Gründungsfrauen werden wiedergefunden

Ein Foto aus einem Nachlass und ein Archivbeitrag mit Frauennamen bringen Union-Chronist Gerald Karpa auf die Spur der früheren Spielerinnen. Er nimmt Kontakt zu Sabine Landsberger auf. Im Oktober 2017 lädt der Verein die Frauen zu einem Wiedersehen ein.

Quelle 2 ↘
2019

Ein Foto führt zum Fußballfilmfestival

Bei Sabine Landsberger entdeckt ein Mitarbeiter des Fußballfilmfestivals 11mm ein altes Mannschaftsfoto. Aus dem Gespräch darüber entsteht ein weiterer öffentlicher Auftritt der früheren Fußballerinnen. Das Foto hilft mit, eine lange wenig beachtete Geschichte wieder sichtbar zu machen.

Quelle 5 ↘
1968–1971

Pokalsieg, Abstieg und Wiederaufstieg

Union-Kapitän Ulrich Prüfke und Ralf Quest präsentieren nach dem FDGB-Pokalfinale am 9. Juni 1968 den Pokal. Union besiegt Carl Zeiss Jena mit 2:1.Bundesarchiv, Bild 183-G0612-0203-003 / Helmut Schaar / CC BY-SA 3.0 DE (Wikimedia Commons; bearbeitete Archivfassung)

Am 9. Juni 1968 feiert der 1. FC Union Berlin seinen bis heute einzigen großen nationalen Pokalsieg. Im Finale des FDGB-Pokals schlagen die Köpenicker den amtierenden DDR-Meister FC Carl Zeiss Jena vor 13.000 Zuschauern in Halle mit 2:1. Ralf Quest erzielt den entscheidenden Treffer.

Doch nur ein Jahr später steigt Union aus der DDR-Oberliga ab. Als die ersten Frauen im September 1969 ihr Training aufnehmen, spielt die Männermannschaft in der zweiten Liga. 1970 gelingt der direkte Wiederaufstieg, die Saison 1970/71 beendet Union auf Platz fünf der Oberliga.

Während die Männer zwischen Pokaltriumph, Abstieg und Wiederaufstieg stehen, beginnt für die Frauen eine ganz eigene Fußballgeschichte.

Transparente RechercheQuellen & Forschungsstand9 artikelbezogene Nachweise

Nur die Quellen, die den Text oder die Archivfundstücke dieses Kapitels belegen. Die vollständige Forschungsbibliografie bleibt in der Geschichtswerkstatt erhalten.

[1]
Landesdenkmalamt Berlin · ohne Datumsangabe

Historischer Standort des Instituts für Lehrerbildung in Köpenick.

[2]
Alina Schwermer · taz · 16. Juni 2019

Zeitzeuginneninterview mit Sabine Landsberger und Silvia Trompeteler, einschließlich Kalenderaufzeichnungen und Spiel gegen Union-Knaben.

[3]
1. FC Union Berlin · 22. September 2019

Vereinschronik zum ersten Training, zur Betreuung und zum Wechsel 1971.

[5]
Stefanie Fiebrig · Textilvergehen · 23. März 2019

Reportage mit Zeitzeuginnen, historischen Erinnerungen und Wiederentdeckung der ersten Mannschaft.

[6]
Berliner Fußball-Verband · 6. Juni 2022

Historische Einordnung der Verbandsregeln und der Berliner Frauenfußball-Landschaft 1971.

[7]
1. FC Union Berlin · 19. November 2019

Rückblick auf das Ostersonntagsspiel 1971, Gegner, Ergebnis und überlieferte Zuschauerzahl.

[8]
rbb / Sportschau · 15. August 2025

Erinnerungen von Silvia Trompeteler zu den Anfängen, dem Union-Bezug und dem Vereinswechsel.

[9]
1. FC Union Berlin · 9. Juni 2018

Rückblick auf den Pokalgewinn 1968 gegen Carl Zeiss Jena.

[10]
Archiv des 1. FC Union Berlin · 2. November 2026
Auskunft zur historischen Mannschaftsaufnahme

Datierung und Identifikation der abgebildeten Frauen nach dem im Artikel genannten Archivnachweis. Keine öffentlich verlinkte Originalquelle.

Was noch offen ist

Die vollständige Gründungsaufstellung, Landsbergers Originalkalender und der Wortlaut der maßgeblichen DFV-Regelung von 1971 sind noch nicht vollständig im Original gesichtet. Auch der genaue Trainingsplatz der Frauen ist weiter zu klären.

Eine Geschichte, die weiterwächst. Hinweise und Erinnerungen helfen, unseren Forschungsstand zu ergänzen.

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