Vorbericht Union gegen NürnbergEin Gegner zwischen alter Stärke und neuer Idee
Analyse
Die Ausgangslage
Der Club wartet nach sechs Spieltagen noch auf seinen ersten Bundesligasieg. Zwei Punkte stehen bislang zu Buche. Dabei waren die Leistungen teilweise besser als die Ergebnisse: In Frankfurt holte Nürnberg ein 1:1, gegen Stuttgart führte die Mannschaft sogar 2:0 und später 3:2, ehe in der Schlussphase noch das 3:3 fiel. Gegen Leipzig verlor der FCN nur 1:2.
Deutlicher wurden dagegen die Grenzen gegen Wolfsburg und Hamburg sichtbar. Beim 2:8 zum Auftakt führte Nürnberg zunächst 2:0, in Hamburg setzte es ein 1:5. Zuletzt reichte auch eine 1:0-Halbzeitführung gegen Hoffenheim nicht: Nürnberg verlor 1:2.
Das macht den Club schwerer einzuordnen, als es der Tabellenplatz vermuten lässt. Nürnberg kann Gegnern wehtun. Die Mannschaft hat bislang aber Schwierigkeiten, diese Phasen über 90 Minuten zu kontrollieren.
Für Union stellt sich deshalb eine andere Aufgabe als zuletzt in Stuttgart: Kann die Mannschaft nach einem überzeugenden Auswärtsspiel nun selbst ein Spiel bestimmen, in dem sie möglicherweise häufiger den Ball haben und Lösungen gegen einen kompakteren Gegner finden muss?
Wie spielt Nürnberg?
Unter Omar Adlani versucht der 1. FC Nürnberg, sein Spiel weiterzuentwickeln.
In der vergangenen Saison war der Club eines der ausgeprägtesten Umschaltteams der Bundesliga. Nürnberg hatte den geringsten Ballbesitz der Liga und suchte nach Ballgewinnen schnell den Weg nach vorne. Besonders Nastassja Lein profitierte davon: Mit elf Bundesligatoren war sie die erfolgreichste Nürnberger Torschützin.
Adlani will diese Mannschaft nun variabler machen. Nürnberg soll mutiger mit Ball agieren, längere Ballbesitzphasen entwickeln und den Gegner früher unter Druck setzen. Die Grundstruktur ist dabei relativ klar.
Zuletzt spielte Nürnberg aus einer Viererkette mit Laura Miller und Jonna Brengel beziehungsweise Charline Coutel im zentralen Mittelfeld. Davor bilden Nastassja Lein, Emőke Pápai und Lara Meroni eine flexible offensive Dreierreihe, während Louna Lapassouse die höchste Position besetzt.
Auf dem Papier lässt sich das als 4-2-3-1 lesen. Gegen den Ball kann daraus ein 4-4-1-1 oder 4-4-2 werden. Entscheidender als die genaue Bezeichnung der Formation sind jedoch die Abläufe.
Nürnberg versucht inzwischen häufiger, die erste Pressinglinie spielerisch zu überspielen. Innenverteidigerin Alexsandra Lobanova gibt dem Aufbau zusätzliche Qualität, davor sollen Miller und Coutel beziehungsweise Brengel Verbindungen herstellen.
Gelingt dieser erste Schritt nicht, bleibt der direkte Ball nach vorne aber weiterhin ein wichtiges Mittel. Und genau dort liegt Nürnbergs größte Gefahr.
Mit Lein, Pápai, Meroni und Lapassouse besitzt der Club mehrere Spielerinnen, die nach Ballgewinnen sofort Tiefe herstellen können. Nürnberg braucht deshalb nicht zwingend lange Ballbesitzphasen, um gefährlich zu werden.
Das zeigte sich auch gegen Hoffenheim. Die TSG kontrollierte über weite Strecken den Ball und drängte Nürnberg tief in die eigene Hälfte. Trotzdem kam der Club zu gefährlichen Situationen: Ein Abstoß von Lourdes Romero wurde direkt ins Zentrum gespielt, Meroni leitete weiter, Außenverteidigerin Marie Bleil schob nach – wenige Sekunden später war Nürnberg im gegnerischen Strafraum.
Genau solche Angriffe sind typisch für die Gefahr des FCN: wenige Kontakte, schneller Raumgewinn, sofortiger Zug nach vorne. Für Union bedeutet das: Ballbesitz allein wird gegen Nürnberg kein Qualitätsmerkmal sein. Entscheidend wird sein, was hinter dem Ball passiert.
Wenn die Außenverteidigerinnen hoch stehen und gleichzeitig viele Spielerinnen vor dem Ball positioniert sind, darf Nürnberg nach Ballgewinnen nicht die erste vertikale Verbindung finden. Die neue Nürnberger Spielidee bringt gleichzeitig Risiken mit sich.
Der Club möchte höher verteidigen und aktiver pressen als noch in der vergangenen Saison. Wird diese erste Linie überspielt, entstehen dahinter Räume. Das könnte Union entgegenkommen.
Gerade das Spiel in Stuttgart hat gezeigt, wie gefährlich die Mannschaft werden kann, wenn sie nach überspieltem Druck Tempo aufnehmen kann. Die rechte Seite entwickelte dort mit Tomke Schneider und Jill Janssens eine enorme Dynamik. Gleichzeitig kann Lia Kamber aus dem Zentrum genau jene Räume attackieren, die entstehen, wenn ein gegnerisches Mittelfeld nach vorne verteidigt.
Nürnberg stellt Union deshalb vor eine interessante Entscheidung: Wie viel Risiko nimmt die Mannschaft im eigenen Aufbau?
Denn einerseits bietet das Nürnberger Pressing Räume hinter der ersten Linie. Andererseits gehört das Umschalten nach Ballgewinnen weiterhin zu den gefährlichsten Elementen des Clubs.
Es könnte deshalb weniger darum gehen, möglichst viel Ballbesitz zu sammeln, sondern Nürnberg immer wieder bewusst aus seiner Ordnung zu ziehen – und anschließend die Räume hinter dem ersten Druck zu bespielen.
Form & Zahlen
Die Lage vor dem Spiel
- Platz
- 9
- Punkte
- 9
- Spiele
- 7
- Tore
- 10:12
- Bilanz
- 3-0-4
- Torverhältnis
- -2
- Platz
- 13
- Punkte
- 2
- Spiele
- 6
- Tore
- 9:21
- Bilanz
- 0-2-4
- Torverhältnis
- -12
Form- und Wettbewerbsdaten: DFB Datencenter · interne Leistungswerte: Schlosserinnen-Spielcenter.
Die Saison in Zahlen
So spielt Union
Bundesliga · Durchschnitt vor diesem Spiel
Quelle: Schlosserinnen-Spielcenter · Stand vor dem Anstoß
Saisonentwicklung
Die letzten sechs Spiele
Je drei Bundesligaspiele im Vergleich
Unions letzte drei Ligaspiele im Vergleich zu den drei Partien davor · Änderungen in %.
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