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Es ist gut, dass diese Saison jetzt vorbei ist – weil jetzt der nächste Schritt beginnt

Man könnte dieses letzte Spiel gegen Eintracht Frankfurt noch einmal wie eine klassische Spielanalyse sezieren: die 2:0-Führung, das 2:4 am Ende, einzelne Wechsel, einzelne Entscheidungen, einzelne Momente.

Aber ehrlich gesagt würde das diesem Saisonabschluss nicht gerecht werden. Nicht, weil es dazu nichts zu sagen gäbe – sondern weil vieles davon längst gesagt ist.

Die Punkte, die in diesem Spiel wieder sichtbar wurden, habe ich in den vergangenen Wochen hier im Blog oft genug beschrieben. Wer sich für diese sportlichen Muster, für die taktischen Fragen und für die Dinge interessiert, die auf dem Platz immer wieder auffallen, kann das alles in den vorherigen Spielanalysen auf diesem Blog nachlesen.

Das Spiel in Frankfurt war in dieser Hinsicht keine neue Geschichte – es wäre nur eine Wiederholung.

Und genau deshalb wäre es der falsche Ansatz, diesen letzten Spielanalyse-Artikel der Saison wieder an denselben Stellen festzumachen. Es würde dem nicht gerecht werden. Nicht diesem Spiel. Und vor allem nicht dieser Saison.

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Das Team bei der Verabschiedung von den mitgereisten Fans. Foto: IMAGO / Jan Huebner

Aileen Poese hat das Spiel eigentlich perfekt zusammengefasst. „Wir haben in den ersten Minuten alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Wir wollten aggressiv sein, was uns gelungen ist. Später haben wir es nicht mehr ganz so souverän verteidigt bekommen. Trotzdem war es ein starker Fight gegen eine Top-Truppe, die sich für die Champions League qualifiziert hat. Wir haben in dieser Saison eine Grundlage geschaffen, um in der nächsten Saison noch Besseres zu erreichen“, ließ sie sich für den offiziellen Spielbericht von Union zitieren.

Das Entscheidende ist nun: Es ist gut, dass diese Saison jetzt vorbei ist. Nicht, weil sie schlecht war. Nicht, weil hier etwas gescheitert wäre. Sondern weil man irgendwann an den Punkt kommt, an dem Veränderung der richtige nächste Schritt ist. Und genau dieser Punkt ist nun erreicht.

Diese Saison war ein Erfolg. Union ist in der Bundesliga angekommen – mehr noch: Wir sind der beste Aufsteiger seit 19 Jahren. Wir sind mit dem Weg der Professionalisierung des Frauenfußballs genau dort angekommen, wo wir hinwollten.

Aber wir alle spüren auch, dass wir noch nicht am Ziel sind. Und genauso ehrlich gehört dazu, dass dieses Team nun einen neuen Impuls für den weiteren Weg braucht.

Ein würdiger Abschluss – und der richtige Moment für Veränderung

Diese Saison hat gezeigt, dass dieser Verein nicht nur im Oberhaus angekommen ist, sondern dass er hierbleiben will. Es gab große Spiele, große Kulissen, große Momente. Diese Saison hat auch die gesamte Bandbreite der Emotionen entfacht. Von der bittersten Enttäuschung bis hin zur absoluten Ekstase. Von Wut bis unglaublicher Freude.

Und Aileen Poese hat enorm viel für diesen Verein geleistet. Sie hat Union durch eine historische Phase geführt, Stabilität geschaffen und einen großen und entscheidenden Teil dieses Weges mit aufgebaut. Dafür verdient sie große Anerkennung – ohne jede Diskussion.

Aber Respekt bedeutet eben auch, den richtigen Moment für Veränderung nicht zu verpassen. Diesen Moment haben alle Beteiligten gefunden. Aber was noch wichtiger ist: In einer Würde, die diesen Leistungen und Errungenschaften gerecht wird – und die uns als Verein in Gänze sehr gut zu Gesicht steht.

Deshalb ist dieses Saisonende kein Punkt von Traurigkeit, sondern ein würdiger Abschluss, bevor ein neues Kapitel beginnen kann.

Das Brentanobad hat Charme – aber keine Zukunft

Aber wir müssen den Blick auch noch etwas weiten. So schön dieser Auswärtstag in Frankfurt auch war: Er hat noch einmal sehr deutlich gezeigt, an welchem Punkt der Frauenfußball inzwischen angekommen ist – und wo viele Strukturen schlicht nicht mehr mithalten.

5.125 Zuschauerinnen und Zuschauer waren im Stadion am Brentanobad. Für die Eintracht Frankfurt Frauen war das das zweitbestbesuchte Heimspiel der gesamten Saison – nur gegen FC Bayern München kamen noch mehr Menschen.

Auf dem Papier also ein starker Rahmen. Und ja – auch dieser besondere Charme des Frauenfußballs ist dort spürbar.

Menschen aus Frankfurt und Köpenick stehen gemeinsam in der Schlange für Wurst und Getränke, machen Witze, kommen ins lockere Gespräch, begegnen sich völlig selbstverständlich in einer entspannten Atmosphäre. Diese Nähe, dieses Miteinander, dieses Stadionerlebnis ist etwas Besonderes. Etwas, das den Frauenfußball ausmacht – und das unbedingt erhalten bleiben sollte.

Darum geht es also gar nicht. Es geht auch nicht darum, diese besondere Atmosphäre gegen Professionalisierung auszuspielen.

Aber es geht um Infrastruktur, um Rahmenbedingungen und um die Bühne, die diesem Sport geboten wird. Denn auch in Frankfurt hatte man permanent das Gefühl: Dieser Sport ist an vielen Stellen längst weiter als das, was ihn umgibt. Für eine Bratwurst oder ein Bier eine halbe Stunde anzustehen – das hatte fast etwas von früheren Schlangen vorm Intershop. Endlose Warteschlangen, überforderte und zu klein gedachte Abläufe, ein Erlebnis, das dieser Kulisse und diesem sportlichen Niveau nicht gerecht wurde.

Und genau das ist der Punkt: Das Stadion am Brentanobad hat Charme – ja. Aber Charme allein reicht nicht mehr, es muss mit Professionalität unterfüttert werden, um auch in Zukunft Charme zu haben.

Es ist ein Ort, der wunderbar zur Vergangenheit des Frauenfußballs passt – aber keiner mehr, an dem Spitzenfrauenfußball langfristig wachsen kann.

Und als Außenstehender steht man davor und wundert sich. Ein Verein, der im Männerbereich dreistellige Millionenbeträge durch Transfers bewegt und als Gesamtverein ungefähr doppelt so viel Umsatz erzielt wie der 1. FC Union Berlin, spielt im Frauenfußball noch immer in einem Stadion, das kein echtes Wachstum zulässt und hat dort eine Stadioninfrastruktur, die zu klein gedacht ist.

Und das ist – wie wir in dieser Saison immer wieder erleben durften – kein reines Frankfurt-Problem.

Das sieht man in Leipzig, in Bremen, in Leverkusen und an vielen anderen Standorten genauso.
Es geht dabei nicht um sportliche Qualität, sondern um das Stadionerlebnis und die Bühne, auf der Frauenfußball präsentiert wird.

Und das betrifft eben nicht nur Stadien. Es betrifft genauso die TV-Übertragung.

Die Präsentation im Fernsehen wird dem Frauenfußball auch längst nicht mehr gerecht. Die Wertigkeit, die Inszenierung, die Qualität der Übertragung, Kameraperspektiven, die Kenntnisse vieler Kommentatoren, das Fehlen von On-Field-Reportern, die geringe mediale Breite auf Pressekonferenzen – vieles davon hinkt der Entwicklung dieses Sports deutlich hinterher.

Der aktuelle TV-Vertrag läuft noch ein Jahr, aber schon jetzt ist klar: Auch dort braucht es den nächsten Schritt.

Es betrifft die Vermarktung, die Sichtbarkeit und die Professionalität der gesamten Liga.

Und ja – es betrifft auch die Schiedsrichterinnen. Auch dort reden wir über Professionalisierung. Über bessere Bedingungen, mehr Unterstützung, mehr Qualität, mehr Rahmen, damit Leistung überhaupt konstant auf höchstem Niveau möglich wird. Auch hier gibt es noch sehr viel Luft nach oben.

Eigentlich reden wir an allen Stellen über dasselbe: Der Frauenfußball ist längst weiter, als viele seiner Strukturen es aktuell sind.

Bei Union ist das anders – hier gibt es Strukturen und Bedingungen, die weiteres Wachstum ermöglichen. Aber in der Breite der Liga bestehen noch immer Rahmenbedingungen, die diese Entwicklung eher bremsen.

Natürlich kommen andere Vereine mit der Wucht und Geschwindigkeit der Entwicklung von Union nicht hinterher. Aber das ist nicht das Problem des 1. FC Union Berlin – sondern das Problem aller anderen.

Dass Union damit an vielen Stellen sichtbar macht, wie langsam sich andere Standorte noch bewegen, ist vielleicht für die Protagonisten an den anderen Standorten unangenehm. Aber genau daraus entsteht vielleicht auch der notwendige Druck, wenn man mithalten will.

Was am Ende bleibt, ist vor allem eines: Danke.

Und das meine ich nicht als nette Floskel zum Saisonende. Nicht als höflichen letzten Absatz, den man schreibt, weil man ihn eben schreibt. Sondern wirklich von Herzen.

Danke!

Danke für das, was dieses Team, der gesamte Staff und dieser ganze Verein in den vergangenen Jahren geschaffen haben.

Danke für Momente, für Emotionen, für Erinnerungen, die bleiben. Für diese Momente, in denen man im Stadion An der Alten Försterei steht oder auswärts irgendwo in Deutschland in irgendeinem Gästeblock, sich umschaut – und plötzlich merkt: Das hier ist groß.

Aber vor allem ist es Union pur – und genau das ist vielleicht das Beeindruckendste überhaupt.

Diese eine Frage gibt es längst nicht mehr: Ob es richtig ist, diesen Weg mit den Frauen so konsequent zu gehen. Ob Professionalisierung richtig ist. Ob Investitionen richtig sind. Ob Leistungsorientierung richtig ist.

Diese Frage wurde längst beantwortet – auf den Rängen, in der Alten Försterei, in Auswärtsblöcken. In den Menschen selbst, für die es längst selbstverständlich geworden ist, hinzugehen – weil es einfach dazugehört.

Weil dieser Frauenfußball kein Nebenprojekt ist. Kein sympathischer Anhang. Keine romantische Geschichte, die man schön findet.

Er ist Teil der Union-Seele geworden. Tief verankert, gewachsen und längst nicht mehr wegzudenken.

Wenn es dieses Projekt morgen – rein hypothetisch – nicht mehr geben würde, dann würde das vielen Menschen wirklich etwas aus dem Herzen reißen. Weil dort längst etwas entstanden ist, das man nicht einfach wieder zurückbauen kann.

Momente. Leidenschaft. Emotionen. Verbundenheit. Identifikation. Stolz. Erinnerungen.

All das ist inzwischen so tief mit diesem Team verbunden, dass dieser Zug bei Union keine Bremsen mehr hat.

Und genau das ist vielleicht die größte Leistung dieser Entwicklung. Nicht nur, dass Union sportlich in die Bundesliga gekommen ist. Sondern dass es emotional gelungen ist, diesen Frauenfußball tief in diesem Verein zu verankern, dass niemand ernsthaft mehr darüber diskutiert, ob das dazugehört.

Natürlich gehört das dazu. Es ist Union.

Wir dürfen unseren Dank aber auch nicht nur auf Aileen Poese, das Team oder die sportliche Leitung und ihre unglaublichen Leistungen verengen. Ja, sie haben enorm viel geleistet und werden das auch in Zukunft tun. Aber genauso gilt das für alle drumherum.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, im Ticketing und Marketing, in der Fanbetreuung. Für jede einzelne Servicekraft an den Spieltagen, ob am Grill, im Bierwagen oder in den Logen. Für alle Menschen dieses Vereins, die oft im Hintergrund arbeiten und trotzdem entscheidend dafür sind, dass diese Entwicklung überhaupt sichtbar wird.

Denn wir alle sind dieser Verein. Und diese Kraft, diese Wucht, die Union hier im Frauenfußball inzwischen erzeugt, entsteht nur durch den Einsatz und das Herzblut, die alle in ihren jeweiligen Rollen jedes Mal einbringen. Und in dieser Kategorie sind wir dauerhaft auf Champions-League-Niveau.

Und ja – auch das muss man klar sagen – ein ganz entscheidender Dank darf dabei auf keinen Fall fehlen. Vielleicht ist es sogar der grundlegendste von allen.

Er gehört unserem Präsidenten Dirk Zingler.

Wir alle wissen: Bei Union passiert so gut wie nichts, wenn es nicht auch von ihm gewollt ist.

Und genau deshalb muss man das klar benennen und wertschätzen.

Diese Konsequenz, mit der dieser Verein den Frauenfußball vorantreibt, ist nicht selbstverständlich. Dieses Tempo ist nicht selbstverständlich. Diese Geradlinigkeit ist nicht selbstverständlich.

Während andere noch diskutieren, ob man investieren sollte, hat Union längst entschieden, dass es keine Frage mehr ist – und schafft Fakten.

Dirk Zingler hat generell enorm viel für diesen Verein bewirkt. Vieles davon hat mit Finanzen, Infrastruktur und nachhaltigem Wertaufbau zu tun.

Aber mit diesem vollen Commitment für den Frauenfußball hat er in etwas investiert, das nicht in erster Linie nur die Bilanz des Vereins bereichert, sondern sein Herz und seine Seele.

Und das merkt man. Man merkt es an der Wucht, an der Strahlkraft und daran, dass dieser Verein im Frauenfußball mittlerweile in ganz Deutschland anders wahrgenommen wird. Als Verein, der es ernst meint. Der Menschen erreicht. Der Strahlkraft entwickelt. Der den Frauenfußball nicht mitträgt, sondern vorantreibt.

Union ist längst nicht mehr nur der kleine Verein, der ums Überleben kämpft. Wir sind ein gestandener Bundesligist. Mit Haltung, mit Ambition, mit Infrastruktur und mit Verantwortung.

Bei den Männern – aber eben genauso bei den Frauen.

Das hier ist nicht das Ende. Das hier ist der Grundstein für etwas, das noch viel größer werden wird. Vielleicht größer, als viele heute überhaupt ahnen.

Und deshalb endet diese Saison nicht mit Wehmut. Sondern mit Vorfreude auf die nächste. Weil jeder längst spürt: Das hier war nicht das Ziel.

Das ist erst der Anfang.

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3 Kommentare

  • Ein Dank fehlte im Artikel. Der an Dich und diesen Blog. Da ich Fußball mehr mit Emotion und weniger mit Sachkenntnis schaue, helfen mir Deine Analysen sehr. Daher danke! Freue mich schon auf Deine Analysen, wenn Union auswärts in der WCL spielt.

    • Das ist so lieb und wertschätzend von dir! ☺️

      Geht alles auf jeden Fall weiter hier. Auch im Sommer, wenn auch nicht mit der Frequenz wie in der Saison. Aber es gibt mir auch die Chance, an ein paar Dingen zu arbeiten, um es weiterzuentwickeln.

  • Sehr schön geschrieben, sehr schön zusammen gefasst.

    Ich selbst im Herzen Unioner, aber eben in Frankfurt/M lebend. Im Kollegenkreis viele Eintracht Fans. Und auch wir haben mit den Kollegen den Frauenfußball schätzen gelernt und gehen auch regelmäßig zu den Eintracht Frauen. Weil Frauenfußball macht Spaß. Es wird ordentlich gespielt, gekämpft, viel weniger Show, auf Seiten der Zuschauer ist alles entspannter, friedlicher. Es wäre schön, wenn auch Männerfußball immer so wäre.

    Hinsichtlich der Qualität des Spiels muss man sicherlich zugestehen, dass die Frankfurterinnen am Ende der Saison zurecht weiter oben in der Tabelle standen. Soweit so ok.

    Aber das Umfeld des Stadions am Brentanobad ist einfach peinlich ohne Ende. Aus Union Sicht natürlich schön, dass man es besser macht. Aber im Blick auf das große Ganze – dem Frauenfußball – ist es peinlich was Eintracht Frankfurt ihren Frauen zumutet. Auch hier haben die Spielerinnen besseres verdient.

    Für mich auch ein leichtes die Kollegen dann aufzuziehen „scheiß… äh… schwache Stimmung hier, kommt mal mit nach Berlin, dann erlebt ihr wie das richtig geht“… aber auch der Spott bleibt einem ja im Hals stecken, weils eigentlich traurig ist.

    Ich meine: Frankfurt spielt Champions League… letzte Saison mit den Kollegen bei Frankfurt – Real Madrid gewesen. Und man guckt so ein Spiel auf einem besseren Trainingsplatz und denkt sich „was soll das“.
    Natürlich, Frankfurt hätte sicherlich das Problem, dass sie ihr 50.000 Leute Stadion mit den Frauen nicht genug gefüllt bekommen und dann auch keine Stimmung ist.
    Aber Frankfurt hätte ja noch das Stadion vom FVS mit immerhin 11.000 Plätzen. Das man den Frauen nicht einmal das Stadion zugesteht, und nicht einmal für Champtions League Spiele ist einfach mal gelebte Missachtung wie ein Verein mit seiner Frauen Profi Manschaft umgehen kann.

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