An einem sommerlichen Samstagnachmittag in Oranienburg bestritten die Union-Frauen ihr erstes Testspiel der Saisonvorbereitung vor 510 Zuschauern gegen den sechsmaligen DDR-Meister, sechsmaligen Deutschen Meister, zweifachen Champions-League-Sieger und dreifachen DFB-Pokalsieger Turbine Potsdam.

Von diesem Glanz vergangener Tage war allerdings nicht mehr viel zu spüren. Im Gegenteil: Auch in dieser Saison – bereits der dritten in Folge – läuft Turbine ohne Trikotsponsor auf. Währenddessen präsentierte Union an diesem Tag ein Novum für unseren Verein: Mit bella wurde erstmals ein Rückensponsor vorgestellt.
Union und Potsdam trennen inzwischen Welten – sportlich, finanziell und auch bei der Unterstützung durch die Fans. Und auch auf dem Platz ist Turbine nur noch ein Schatten seiner einstigen Größe.
Für Union war es dagegen das erste Spiel, um die Beine nach der Sommerpause wieder in Schwung zu bringen und als neu formiertes Team samt Trainerstab um Marie-Louise Eta erstmals gemeinsam auf dem Platz zu stehen. Das Team befindet sich noch ganz am Anfang der Vorbereitung – und das war auch zu erkennen. Deshalb wäre es völlig überzogen, bereits einzelne Dinge zu kritisieren, die noch nicht funktionieren. In dieser Phase können sie schlicht noch nicht funktionieren. Darum geht es zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung auch gar nicht. Vielmehr geht es darum, sich als Team zu finden, Abläufe einzustudieren und die ersten Abstimmungen auf dem Platz zu lernen und zu verinnerlichen. Genau dafür war es ein perfekter Samstag.
Was haben wir an diesem Tag auf dem Platz gesehen?
Die Neuzugänge Jill Janssens, Jella Veit und Leelia Egli erstmals im Union-Trikot zu sehen, machte einfach Spaß. Jill spielte erwartungsgemäß auf der rechten Seite – mal als Rechtsverteidigerin, mal deutlich offensiver, wenn hinter ihr beispielsweise Ida Heikinnen absicherte. Jella Veit, eigentlich Innenverteidigerin, absolvierte ihre gesamte Einsatzzeit im defensiven Mittelfeld. Leelia Egli lief als eine von zwei Stürmerinnen im Doppelsturm auf. Alle drei hinterließen einen hervorragenden Eindruck und zeigten sofort, dass sie diesem Team zusätzliche Qualität verleihen werden. Aber auch hier gilt: Für große Rückschlüsse ist es noch deutlich zu früh.
Noch nicht auf dem Platz stand dagegen Neuzugang Lisanne Gräwe. Sie verfolgte die Partie gemeinsam mit Geraldine Reuteler, die erst vor wenigen Tagen von Frankfurt zum Arsenal FC gewechselt ist, von der Tribüne aus.
Ein ganz besonderer Moment des Spiels war die Einwechslung von Tomke Schneider zur Halbzeit. Das nahezu ausschließlich aus Union-Fans bestehende Publikum begrüßte sie mit begeistertem Applaus und lautstarken Tomke-Rufen bereits bei ihrem ersten Ballkontakt – und das ganz ohne organisierten Support. Es war ein ehrlicher, emotionaler Moment der Wertschätzung für eine Spielerin, die diesen Verein genauso lebt und liebt wie wir alle.
Doch nicht nur das sorgte für Begeisterung. Auch die erst 17-jährige Leona Seifert wurde nach zwei starken Defensivaktionen lautstark gefeiert. Zweimal nahm sie ihrer Gegenspielerin im Zentrum entschlossen den Ball ab – und das trotz ihrer altersbedingt noch vorhandenen körperlichen Unterlegenheit. Solche Szenen zeigen, welches Potenzial in ihr steckt.
Ihr wollt noch mehr Highlights?
Dann sprechen wir über Lia Kamber. Was diese Spielerin an Ballkontrolle, Technik und Spielintelligenz mitbringt, ist außergewöhnlich. Gleichzeitig ist sie alles andere als eine Schönwetter-Fußballerin. Mit enormer Bissigkeit geht sie auch in defensive Zweikämpfe und gewinnt diese regelmäßig. Ihr beim Fußballspielen zuzusehen, ist einfach ein Genuss. Man steht teilweise mit offenem Mund da und schüttelt nur den Kopf, weil man kaum glauben kann, wie weit eine 20-Jährige bereits ist.
Ebenso erfreulich war zu sehen, welche Dynamik Jill Janssens über die rechte Seite entwickeln kann. Genau diese Geschwindigkeit und Durchschlagskraft werden uns in der Liga guttun.
Beeindruckend war auch Leelia Eglis Treffer zum 1:0 bereits in der fünften Minute. Ohne lange zu überlegen, brachte sie den Ball mit der Pike im Stil einer echten Torjägerin im Netz unter. Solche Tore machen Hoffnung, dass wir im Sturm künftig genau die Kaltschnäuzigkeit besitzen, die uns in der vergangenen Saison manchmal gefehlt hat.
Ebenso schön war es, Naika Reissner endlich einmal nicht wieder in der Verteidigung, sondern auf dem offensiven Flügel zu sehen – genau dort, wo ihre Stärken am besten zur Geltung kommen.
Auch die zur Halbzeit eingewechselte Hannah Eurlings überzeugte erneut mit ihren intelligenten Bewegungen mit und ohne Ball und belohnte sich verdient mit einem Treffer. Umso ärgerlicher war es, dass sie nach einem völlig unnötigen Check an der Außenlinie durch Potsdams Johanna Bobbe bereits in der 54. Minute – nach gerade einmal neun Minuten Spielzeit – verletzt ausgewechselt werden musste.
Fazit
Natürlich wird jeder an diesem Nachmittag noch weitere ganz persönliche Highlights gehabt haben. Vor allem aber war eines zu spüren: Die fußballfreie Zeit ist vorbei – und unser Team ist endlich zurück.
Dennoch liegt noch viel Arbeit vor der Mannschaft. Gerade taktisch und im Zusammenspiel wird sich in den kommenden Wochen noch vieles entwickeln. Das ist zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung völlig normal.
Eines konnte man jedoch bereits erkennen: Turbine Potsdam ist für Union inzwischen als Verein kein Maßstab mehr. Die Potsdamerinnen werden in der 2. Liga alle Hände voll zu tun haben, um die Klasse zu halten. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Union selbst mit nur wenigen Trainingseinheiten bereits über eine spielerische Qualität verfügt, mit der man Turbine inzwischen deutlich enteilt ist.
Unioner, Berliner, Brandenburger – ach, ganz egal, wo ihr herkommt: Packt eure Familie ein und kommt in dieser Saison in die Alte Försterei. Dieses Team hat das Potenzial, Menschen jeden Alters zu begeistern. Lasst euch das nicht entgehen.





