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Unangenehm Fußball spielen – Paris als Vorgeschmack auf Etas Union

Das 3:1 bei Paris Saint-Germain war nur ein Testspiel – und trotzdem eines, das erstaunlich viel darüber verraten hat, wohin sich die Unionerinnen unter Marie-Louise Eta entwickeln könnten. Vor allem die Art, wie Union in Paris presste, nach Ballgewinnen schnell nach vorne spielte und sich auch von einem namhaften Gegner nicht von der eigenen Idee abbringen ließ, macht Lust auf die neue Saison.

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Union jubelt in Paris: Die Eisernen Frauen feiern einen Treffer beim Testspiel gegen Paris Saint-Germain. Foto: 1. FC Union Berlin

Natürlich ist es immer so eine Sache mit Testspielergebnissen. Man freut sich über einen Sieg, erst recht, wenn er bei Paris Saint-Germain gelingt, und gleichzeitig weiß jeder, dass dafür am Ende kein einziger Punkt vergeben wird. Wenn am Freitagabend der FC Bayern München in der Alten Försterei steht und die neue Bundesligasaison beginnt, sind die Ergebnisse der vergangenen Wochen ohnehin nur noch eine Randnotiz.

Trotzdem gibt es diese Vorbereitungsspiele, aus denen man etwas mitnehmen kann. Nicht unbedingt, weil das Ergebnis besonders aussagekräftig wäre, sondern weil man zum ersten Mal etwas deutlicher erkennt, woran eine Mannschaft in den vergangenen Wochen gearbeitet hat und welche Vorstellung eine neue Trainerin von ihrem Fußball hat.

Das 3:1 bei Paris Saint-Germain war so ein Spiel. 

Denn viel interessanter als der Sieg selbst war die Art und Weise, wie Union zu diesem Sieg gekommen ist. Gerade in der ersten Stunde waren einige Dinge zu erkennen, die ziemlich gut zu dem passen, was Marie-Louise Eta mit dieser Mannschaft vorhat: eine Mannschaft, die aktiv sein möchte, die den Gegner früh unter Druck setzt, die Ballgewinne möglichst weit vorne provoziert und anschließend nicht lange überlegt, sondern schnell den Weg zum gegnerischen Tor sucht.

Das alles funktioniert Mitte August selbstverständlich noch nicht perfekt. Es wäre auch ziemlich merkwürdig, wenn eine Mannschaft nach wenigen Wochen unter einer neuen Trainerin bereits am Ende ihrer Entwicklung angekommen wäre. Aber in Paris konnte man zumindest erahnen, wie dieser Fußball einmal aussehen soll.

Und vielleicht steckt darin die eigentlich spannende Geschichte dieses Sommers. Vor einem Jahr musste Union lernen, wie Bundesliga funktioniert. Es ging ums Ankommen, ums Bestehen und darum, sich auf ein neues Niveau einzustellen. Nun könnte der nächste Schritt beginnen: nicht mehr ausschließlich darauf zu reagieren, was diese Liga von Union verlangt, sondern selbst eine Mannschaft zu entwickeln, auf die sich irgendwann die Gegner einstellen müssen.

Paris war dafür noch kein Beweis. Aber ein ziemlich interessanter Vorgeschmack.

Paris bleibt Paris – auch wenn der Glanz zuletzt Kratzer bekam

Dabei sollte man zunächst den Gegner vernünftig einordnen. Paris Saint-Germain ist im europäischen Frauenfußball natürlich ein großer Name, stand zweimal im Finale der Champions League, mehrfach im Halbfinale und gehört seit Jahren zu den führenden Mannschaften Frankreichs. Gleichzeitig kommt dieser große Name aus einer europäischen Saison, die für Pariser Verhältnisse ausgesprochen enttäuschend verlief: Gegen Wolfsburg, Real Madrid, Manchester United und Bayern München verlor PSG, gegen OH Leuven und Benfica reichte es jeweils nur zu einem Unentschieden. Zwei Punkte, vier Tore, zwölf Gegentreffer – nach der Ligaphase war Schluss.

Nur sollte man diese Bilanz nicht mit einem grundsätzlichen Qualitätsverlust des Kaders verwechseln. Der prominenteste Abgang dieses Sommers ist Mary Earps. Die englische Europameisterin von 2022 verließ Paris nach zwei Jahren und 57 Pflichtspielen und wechselte zu den London City Lionesses. Damit verlor PSG seine bisherige Stammkeeperin und einen der international bekanntesten Namen der Mannschaft. Ein größerer Ausverkauf fand allerdings nicht statt – und offensiv kam sogar zusätzliche Qualität hinzu.

Mit Naomie Feller wechselte eine französische Nationalspielerin von Real Madrid zurück in ihre Heimatstadt und unterschrieb bei PSG bis 2030. Vier Jahre spielte sie zuvor für Real, absolvierte dort 136 Pflichtspiele und erzielte 26 Tore. Für Union ist sie zudem eine alte Bekannte: Schon vor einem Jahr stand Feller in einem Testspiel gegen die Unionerinnen auf dem Platz, damals noch im weißen Trikot von Real Madrid. Beim 3:1 der Spanierinnen in der Alten Försterei leitete sie mit einem Ballgewinn in der Union-Hälfte sogar den Angriff zum frühen 0:1 durch Eva Navarro ein. Ein Jahr später traf man sich also wieder – nur diesmal in Paris und mit Feller im PSG-Trikot.

Das 3:1 sollte deshalb weder größer noch kleiner gemacht werden, als es war. Union hat nicht plötzlich eine der derzeit besten Mannschaften Europas geschlagen, nur weil auf dem Trikot Paris Saint-Germain steht. Aber eben auch kein PSG, das nur noch von seinem Namen lebt. Dafür steckt weiterhin viel zu viel individuelle Qualität in diesem Kader.

Und genau deshalb wurde anschließend interessant, wie Union gegen diesen Gegner spielte.

Eine kleine Irritation lieferte vorher allerdings schon der äußere Rahmen. Wer bei Paris Saint-Germain automatisch an perfekte Bedingungen denkt, dürfte beim ersten Blick auf den Rasen kurz gestutzt haben. Große braune Stellen, ein sichtbar mitgenommener Untergrund – das wirkte stellenweise tatsächlich eher nach Trainingsplatzcharme als nach Hochglanzbühne eines europäischen Spitzenklubs. Für einen Verein mit den finanziellen Möglichkeiten von PSG war dieser Anblick durchaus bemerkenswert und ließ einen unweigerlich ein wenig schmunzeln. Am sportlichen Wert des Tests änderte das natürlich nichts. Als Kontrast zwischen dem großen Namen Paris Saint-Germain und den erstaunlich rustikalen Bedingungen dieses Nachmittags war es trotzdem schwer zu übersehen.

Viel wichtiger war ohnehin, was Union auf diesem Rasen veranstaltete.

Union wartete nicht auf Pariser Fehler. Union produzierte sie.

Das wurde schon beim Führungstreffer nach 14 Minuten deutlich. Paris versuchte, das Spiel von hinten aufzubauen, Sophie Weidauer setzte auf der rechten Seite konsequent nach, gewann den Ball und brachte ihn anschließend sofort flach in den Strafraum. Dort war Lia Kamber zur Stelle und erzielte das 1:0. 

Natürlich kann man diese Szene zunächst als Fehler im Pariser Spielaufbau beschreiben. Das wäre nicht einmal falsch. Interessanter ist aber die Frage, warum dieser Fehler überhaupt entstanden ist.

Weidauer wartete eben nicht darauf, dass ihr eine Pariser Spielerin irgendwann den Ball vor die Füße legt. Sie setzte nach, erhöhte den Druck und sorgte dafür, dass aus einer eigentlich kontrollierten Aufbausituation innerhalb weniger Sekunden eine Torchance für Union entstand. Noch interessanter war, was nach dem Ballgewinn passierte. Es folgte kein Sicherheitspass und auch kein Versuch, den Angriff erst einmal neu aufzubauen. Der Ball ging sofort nach vorne, weil Paris in diesem Moment ungeordnet war und genau dieses kleine Zeitfenster genutzt werden sollte.

Darin steckt wahrscheinlich ein wesentlicher Teil dessen, was wir in dieser Saison häufiger sehen werden. Beim hohen Pressing geht es nicht allein darum, möglichst weit vorne Bälle zu erobern. Entscheidend ist die Verbindung zwischen dem Verhalten gegen den Ball und dem Moment unmittelbar nach der Balleroberung. Ein hoher Ballgewinn ist schließlich nur dann wirklich wertvoll, wenn man den Gegner anschließend nicht erst wieder in Ruhe seine defensive Ordnung herstellen lässt.

Paris antwortete zwar nur drei Minuten später durch Alyssa Charlier mit dem Ausgleich, doch auch danach änderte Union seine Herangehensweise nicht grundsätzlich. Die Mannschaft wurde nicht plötzlich vorsichtiger und zog sich auch nicht zurück, weil der Gegner gezeigt hatte, dass er die Räume hinter dem Pressing nutzen kann. Stattdessen blieb Union bei seiner Idee und wurde kurz vor der Pause erneut dafür belohnt.

Wieder geriet Paris im eigenen Aufbau unter Druck, wieder entstand weit vorne ein Ballgewinn und wieder war Lia Kamber zur Stelle. Das 2:1 ähnelte dem ersten Treffer zumindest in seiner Entstehung so sehr, dass man irgendwann nicht mehr ausschließlich über zwei individuelle Pariser Fehler sprechen sollte. Kamber ging damit mit einem Doppelpack in die Pause. 

Denn Fehler passieren im Fußball nicht immer zufällig. Man kann sie provozieren, indem man Passwege schließt, Gegnerinnen unter Zeitdruck setzt und bestimmte Zuspiele bewusst anbietet, um anschließend genau dort Zugriff zu bekommen. Genau das ist der Unterschied zwischen einem wilden Anlaufen und einem funktionierenden Pressing.

Natürlich ist Union bei diesen Abläufen noch längst nicht am Ziel. Trotzdem war in Paris bereits zu erkennen, dass die Mannschaft zunehmend versteht, wann sie gemeinsam nach vorne schieben kann und was nach einer erfolgreichen Balleroberung passieren soll.

Und vielleicht verändert sich damit auch ein Begriff, der Union schon lange begleitet. „Unangenehm zu bespielen“ – das war und ist schließlich häufig als Kompliment gemeint. Es beschreibt eine Mannschaft, die keinen Ball herschenkt, Zweikämpfe annimmt, Räume eng macht und einem spielerisch stärkeren Gegner das Leben möglichst schwer macht.

All das wird Union auch weiterhin brauchen. Marie-Louise Eta scheint diesem „unangenehm“ aber noch etwas hinzufügen zu wollen.

Denn unangenehm kann eine Mannschaft auch sein, weil die gegnerische Innenverteidigerin beim Spielaufbau keine Ruhe bekommt. Weil der vermeintlich sichere Querpass plötzlich das Signal für mehrere Unionerinnen ist, gemeinsam nach vorne zu schieben. Weil nach einem Ballverlust nicht erst in aller Ruhe sortiert werden kann, sondern wenige Sekunden später bereits der nächste Angriff auf das eigene Tor läuft. Und weil der Gegner irgendwann nicht mehr nur darüber nachdenkt, wie er selbst Fußball spielen möchte, sondern auch darüber, wie er Union davon abhält, genau das zu tun.

Vielleicht ist das die eigentliche Veränderung unter Marie-Louise Eta: Union möchte nicht mehr nur unangenehm zu bespielen sein. Union möchte unangenehm Fußball spielen.

Paris war dafür nur ein Testspiel und sicherlich noch kein Beweis. Aber vielleicht war es der bisher deutlichste Hinweis darauf, dass diese Veränderung tatsächlich begonnen hat.

Nicht mehr ankommen. Eine eigene Idee durchsetzen.

Vor einem Jahr war die Rollenverteilung ziemlich klar. Union war der Bundesliga-Neuling. Vieles war neu, das Tempo höher, die individuelle Qualität der Gegnerinnen größer und die Zeit für eigene Entscheidungen geringer. Die erste Saison musste deshalb zwangsläufig auch eine Saison des Lernens sein.

Diese Phase ist vorbei.

Nicht, weil Union nun schon eine etablierte Spitzenmannschaft wäre. Sondern weil die grundsätzliche Frage beantwortet ist: Diese Mannschaft kann Bundesliga. Union beendete seine erste Saison im Oberhaus auf Rang neun.  Jetzt beginnt die wesentlich interessantere Frage, welche Art von Bundesligamannschaft sie sein möchte.

Genau hier beginnt die eigentliche Arbeit von Marie-Louise Eta.

Sie übernimmt einen Kader, der die Erfahrungen dieses ersten Bundesligajahres bereits gesammelt hat und im Sommer weiterentwickelt wurde. Dadurch kann es nun stärker um eine eigene fußballerische Identität gehen und weniger darum, sich zunächst irgendwie in dieser Liga zurechtzufinden.

Ihre Mannschaft soll nicht ausschließlich auf den Gegner reagieren. Sie soll Einfluss darauf nehmen, wo der Ball gewonnen wird, wie schnell danach nach vorne gespielt wird und wie viele Spielerinnen sich an diesen Angriffen beteiligen.

Das ist letztlich der entscheidende Rollenwechsel. Im ersten Bundesligajahr musste Union vor allem Lösungen für die Aufgaben finden, die diese Liga stellte. Im zweiten soll die Mannschaft zunehmend selbst Aufgaben stellen.

In Paris bekam man davon einen ersten ausführlicheren Eindruck. Gleichzeitig wird inzwischen aber auch immer deutlicher, mit welchem Personal Eta diese Vorstellungen umsetzen könnte.

Eine erste Elf entsteht – ohne dass Eta auf elf Spielerinnen festgelegt ist

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Mit klarem Blick auf das Geschehen: Marie-Louise Eta verfolgt das Testspiel ihrer Mannschaft gegen Paris Saint-Germain von der Seitenlinie. Foto: 1. FC Union Berlin

Denn je länger diese Vorbereitung dauert, desto weniger wirken manche personellen Entscheidungen wie bloßes Ausprobieren. Langsam entsteht vielmehr der Eindruck, dass sich zumindest das Gerüst einer Mannschaft herauskristallisiert, die auch zum Saisonauftakt gegen Bayern ziemlich ähnlich aussehen könnte.

Eine der auffälligsten Personalien in Paris war zunächst einmal das Tor. Cara Bösl stand erstmals in dieser Vorbereitung wieder in einem Testspiel in der Startelf und spielte die erste Halbzeit, ehe Nadine Böhi zur Pause übernahm. Gerade mit Blick auf den Saisonstart dürfte interessant sein, ob sich damit auch im Tor die Hierarchie langsam deutlicher abzeichnet.

Davor setzte Eta erneut auf eine Viererkette, deren Besetzung inzwischen ziemlich vertraut aussieht. Jill Janssens begann rechts, in der Innenverteidigung spielten Amber Tysiak und Samantha Steuerwald, links verteidigte Tomke Schneider. Dieses personelle Gerüst hat sich inzwischen durch die Vorbereitung gezogen, sodass vieles dafür spricht, dass Eta auch hier deutlich näher an ihrer bevorzugten Besetzung ist als noch zu Beginn des Sommers. Die Namen und die Pariser Startaufstellung sind so auch im offiziellen Union-Spielbericht beziehungsweise im aktuellen Kader geführt. 

Fast noch interessanter erscheint allerdings das Mittelfeld. Jella Veit übernahm die tiefere Rolle vor der Abwehr, davor spielten Lisanne Gräwe und Lia Kamber. Im Grunde war also auch hier wieder jene Struktur zu erkennen, die Eta in den vergangenen Testspielen immer wieder ausprobiert hat: eine Sechserin als Verbindung und Absicherung hinter zwei höher positionierten Achterinnen, die sich einschalten, nach vorne schieben und gerade nach Ballgewinnen schnell in die offensiven Räume kommen sollen. Veit wird im offiziellen Kader zwar als Abwehrspielerin geführt, ihre Rolle an diesem Nachmittag lag aber erkennbar zentral vor der letzten Linie. 

Dass ausgerechnet Kamber in Paris zweimal traf, passt ziemlich gut zu dieser Rollenverteilung. Ihre Position ist eben nicht die einer klassischen zweiten Sechserin, die sich hauptsächlich neben Veit aufhält und das Zentrum absichert. Sie darf höher agieren, in die Zwischenräume kommen und bei Ballgewinnen nachrücken. Bei beiden Treffern war genau dieses Gespür dafür zu sehen, wann sie den Weg in den gefährlichen Raum suchen muss.

Je länger die Vorbereitung dauert, desto mehr entsteht deshalb der Eindruck, dass sich eine erste Grundformation herausbildet. Das bedeutet natürlich nicht, dass diese elf Spielerinnen nun für die kommenden Monate gesetzt sind. Gerade das Gegenteil könnte eine der Stärken dieser Mannschaft werden. Denn hinter dieser inzwischen recht klar erkennbaren Ausgangsordnung besitzt Eta erstaunlich viele Möglichkeiten, Positionen und sogar die Struktur einer Partie zu verändern.

Das zeigte sich auch in Paris an den Wechseln. Dabei ist weniger entscheidend, jede einzelne personelle Veränderung aufzuzählen, sondern was Eta daraus machen kann. Mehrere Spielerinnen können unterschiedliche Rollen übernehmen, Positionen lassen sich während einer Partie verschieben und auch die Grundordnung muss nicht über 90 Minuten dieselbe bleiben.

Genau diese Variabilität könnte im Laufe der Saison noch ziemlich wertvoll werden. Union besitzt inzwischen nicht nur mehr Alternativen auf einzelnen Positionen, sondern Spielerinnen, die in mehreren Rollen funktionieren. Dadurch kann Eta während eines Spiels auf einen Gegner reagieren, ohne zwangsläufig die komplette Mannschaft umbauen zu müssen. Eine Außenverteidigerin kann höher schieben, eine Achterin tiefer kommen, im Aufbau können andere Strukturen entstehen und auch die offensive Besetzung lässt sich verändern, ohne dass die grundsätzliche Spielidee verloren gehen muss.

Das macht diese Mannschaft schwerer auszurechnen und dürfte gerade bei der intensiven Spielweise, die Eta offenbar anstrebt, noch wichtig werden. Denn eine Mannschaft, die hoch pressen und nach Ballgewinnen schnell umschalten möchte, braucht nicht nur körperlich Alternativen. Sie braucht auch taktische Lösungen für jene Spiele, in denen der Gegner das erste Konzept entschlüsselt hat.

Und dass PSG selbst diesen Test keineswegs mit einer besseren B-Elf bestritt, macht diese Erkenntnisse noch interessanter. Mit Elisa De Almeida, Jackie Groenen, Sakina Karchaoui, Naomie Feller und Romée Leuchter standen einige der prominentesten und international erfahrensten Spielerinnen des Pariser Kaders von Beginn an auf dem Platz. Mit Merveille Kanjinga kam im Laufe der zweiten Halbzeit eine weitere hochkarätige Offensivspielerin hinzu. Olga Carmona gehörte dagegen nicht zum eingesetzten Personal. 

Paris nutzte diesen letzten Test also ebenfalls ernsthaft. Das macht aus dem 3:1 weiterhin keinen Sieg, aus dem sich irgendwelche Kräfteverhältnisse für die kommende Saison ableiten ließen. Es zeigt aber sehr wohl, dass die Dinge, die Eta einstudieren lässt, auch gegen eine Mannschaft funktionieren können, die individuell auf sehr hohem Niveau besetzt ist.

Vielleicht ist genau diese Kombination vor dem Saisonstart besonders spannend: Einerseits zeichnet sich inzwischen eine Mannschaft ab, der Eta vertraut und die in ihrer Grundstruktur immer vertrauter wirkt. Andererseits gibt es dahinter so viele unterschiedliche Möglichkeiten, dass diese erste Elf längst nicht die einzige Antwort sein muss.

Der Ballgewinn ist erst der Anfang

Gerade deshalb wäre es zu einfach, Etas Idee nur auf das hohe Pressing zu reduzieren. Natürlich fällt das zunächst am stärksten auf, weil eine Mannschaft, die den gegnerischen Aufbau weit vorne attackiert, automatisch aktiver wirkt. Die eigentlich interessante Frage beginnt aber erst nach dem Ballgewinn.

In Paris ging der erste Blick häufig nach vorne. Nicht um jeden Preis und nicht in jeder Situation, aber doch deutlich erkennbar. Wenn sich nach einer Balleroberung ein Raum öffnete, sollte dieser möglichst schnell bespielt werden. Gerade in diesen Momenten war zu erkennen, warum die Zusammenstellung des Kaders für diesen Fußball durchaus interessant sein kann.

Union verfügt inzwischen über mehrere Spielerinnen, die Tempo mitbringen, Wege in die Tiefe gehen können und nach einem Ballgewinn nicht lange benötigen, um in die nächste Aktion zu kommen. Sophie Weidauer zeigte beim ersten Treffer, wie wertvoll ihre Intensität gegen den Ball sein kann. Lia Kamber wiederum bewies bei ihren beiden Toren nicht nur Abschlussqualität, sondern vor allem ein gutes Gespür dafür, wo sie sich in dem Moment aufhalten muss, in dem aus Druck auf den Gegner tatsächlich ein Ballgewinn entsteht.

Gerade bei einem solchen Fußball ist das entscheidend. Es reicht nicht, wenn eine Spielerin den Ball erobert. Gleichzeitig müssen andere bereits verstanden haben, welche Räume sich dadurch öffnen, wer in die Tiefe startet, wer den Strafraum besetzt, wer sich als erste vertikale Lösung anbietet und wer den Angriff absichert, falls der Ball sofort wieder verloren geht.

Solche Abläufe entstehen nicht innerhalb weniger Wochen. Sie müssen immer wieder trainiert werden und irgendwann so selbstverständlich werden, dass die Spielerinnen nicht mehr über jeden einzelnen Laufweg nachdenken müssen.

Dass in Paris bereits einige dieser Situationen funktionierten, ist deshalb vielleicht wichtiger als das Ergebnis selbst.

3:1 vorne – und trotzdem weiter nach vorne

Das 3:1 kurz nach Wiederbeginn entstand zwar auf andere Weise, passte aber trotzdem gut zum Auftritt der Unionerinnen. Jill Janssens traf nach einem Freistoß aus rund 20 Metern und sorgte dafür, dass Union nur zwei Minuten nach der Pause plötzlich mit zwei Toren führte. 

Interessant wurde anschließend, wie die Mannschaft mit dieser Situation umging. Gegen einen Gegner wie PSG wäre es durchaus nachvollziehbar gewesen, sich nun einige Meter zurückzuziehen, das Zentrum möglichst eng zu machen und zu versuchen, die Führung irgendwie über die verbleibende Zeit zu bringen.

Union blieb zunächst jedoch aktiv. Paris bekam im Aufbau wenig Ruhe und Union versuchte weiterhin, das Spiel selbst zu kontrollieren. Erst später verschoben sich die Kräfteverhältnisse stärker: PSG bekam mehr Ballbesitz und drückte Union zunehmend in die eigene Hälfte. 

Gerade diese erste Phase nach der Pause passt ziemlich gut zu dem, worauf man in den kommenden Monaten achten sollte. Das Pressing ergibt ohne das anschließende Offensivspiel nur bedingt Sinn. Union möchte den Ball offenbar nicht weit vorne gewinnen, um ihn anschließend zu verwalten. Das Pressing soll der Ausgangspunkt für den eigenen Angriff sein. Je näher am gegnerischen Tor der Ball erobert wird, desto kürzer ist der Weg zur Torchance und desto weniger Zeit bleibt dem Gegner, sich wieder zu sortieren.

Wenn Union diese Verbindung im Laufe der Saison immer besser hinbekommt, könnte daraus ein Fußball entstehen, der nicht nur erfolgreich, sondern auch ausgesprochen unterhaltsam sein kann.

Und genau an diesem Punkt bekommt die Idee vom „unangenehm Fußball spielen“ ihren eigentlichen Inhalt. Union soll nicht nur deshalb unangenehm sein, weil die Mannschaft kämpft, Wege zuläuft und dem Gegner Räume nimmt. Sie soll unangenehm werden, weil sie aus genau diesen Dingen selbst Fußball entstehen lässt.

Wer so spielen will, wird dafür auch bezahlen

Zur Wahrheit gehört genauso, dass eine solche Spielweise Risiken mit sich bringt. Wer weit nach vorne verteidigt, muss die Räume dahinter kontrollieren. Wenn die erste Spielerin anläuft und die nächste nicht rechtzeitig nachschiebt, entstehen Lücken. Wird die erste Pressinglinie überspielt, müssen die dahinterliegenden Spielerinnen sofort reagieren. Und wenn die Abwehr nicht gleichzeitig nach vorne rückt, wird eine Mannschaft schnell auseinandergezogen.

Gegen technisch starke Gegner können aus wenigen Metern Unterschied sehr große Räume entstehen.

Das wird Union in dieser Saison erleben. Wahrscheinlich wird es sogar Spiele geben, in denen wir uns auf der Tribüne fragen werden, warum man den Gegner unbedingt so weit vorne attackieren musste, nachdem genau dieser Gegner anschließend den entstandenen Raum genutzt und ein Tor erzielt hat.

Das gehört zu dieser Entwicklung dazu.

Die eigentliche Kunst eines guten Pressings besteht schließlich nicht darin, dass einzelne Spielerinnen besonders viel laufen. Entscheidend sind die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen, das gemeinsame Timing und die Absicherung hinter der ersten Aktion. Eine Spielerin kann hervorragend anlaufen und trotzdem nichts erreichen, wenn die zehn Spielerinnen hinter ihr nicht entsprechend reagieren.

Auch in Paris funktionierte deshalb keineswegs alles. In der Schlussphase bekam PSG mehr Ballbesitz, Union wurde tiefer gedrückt und musste längere Phasen verteidigen. Nadine Böhi, die zur Halbzeit für Cara Bösl gekommen war, wurde gefordert und verhinderte unter anderem mit einer starken Parade einen weiteren Pariser Treffer. 

Auch diese Phase gehört zu einer seriösen Betrachtung des Spiels. Union hat Paris nicht 90 Minuten dominiert, das muss diese Mannschaft im August aber auch überhaupt nicht können. Viel wichtiger war, dass sie über längere Phasen versucht hat, dem Spiel selbst eine Richtung zu geben.

Und genau das ist der Preis, den Eta für diesen Fußball zumindest teilweise akzeptieren muss. Wer selbst bestimmen möchte, wo ein Spiel stattfindet, kann nicht gleichzeitig jedes Risiko ausschließen. Entscheidend wird deshalb nicht sein, ob Union in dieser Saison Fehler macht. Entscheidend wird sein, ob die Mannschaft aus diesen Fehlern lernt, ohne anschließend den Mut zu verlieren, genau diesen Fußball weiterzuspielen.

Warum ausgerechnet PSG der richtige letzte Test war

Die Vorbereitung der Unionerinnen war ohnehin nicht darauf ausgelegt, sich mit möglichst vielen deutlichen Siegen Selbstvertrauen zu holen. Mit Gegnern wie Sparta Prag, Inter Mailand und schließlich Paris Saint-Germain gab es bewusst Mannschaften, die Union vor Probleme stellen konnten.

Eine Woche vor dem Spiel in Paris hatte Union bei der offiziellen Saisoneröffnung noch mit 0:1 gegen Inter verloren. Nun folgte ein 3:1 bei PSG. Beide Ergebnisse gegeneinander aufzurechnen, würde wenig Sinn ergeben. Vorbereitungsspiele leben von Wechseln, unterschiedlichen Belastungsständen und davon, dass Trainerinnen Dinge ausprobieren, die im Pflichtspiel möglicherweise anders gelöst würden. 

Wichtiger ist, dass Eta ihre Mannschaft gegen Gegner testen konnte, die Fehler bestrafen und sich aus Drucksituationen spielerisch befreien können. Gerade für eine Mannschaft, die zukünftig höher pressen möchte, sind solche Spiele wertvoll.

Gegen einen deutlich unterlegenen Gegner kann ein Pressing hervorragend aussehen, obwohl die Abläufe noch gar nicht besonders gut funktionieren. Gegen Spielerinnen mit der technischen Qualität von PSG wird dagegen ziemlich schnell sichtbar, ob die Abstände stimmen und ob tatsächlich gemeinsam angelaufen wird.

Dass Union dabei nicht nur mithalten konnte, sondern über längere Phasen selbst das Spiel bestimmte, darf man deshalb durchaus als positives Zeichen mitnehmen.

Nicht als Beweis dafür, dass schon alles funktioniert.

Aber als Hinweis darauf, dass die Idee trägt.

Etas Fußball braucht mehr als elf Spielerinnen

Die Variabilität, die sich bereits an der Aufstellung und den Wechseln in Paris ablesen ließ, bekommt noch einmal eine andere Bedeutung, wenn man die körperlichen Anforderungen dieses Fußballs betrachtet. Hohes Pressing kostet Kraft, Gegenpressing kostet Kraft und wiederholte Sprints nach Ballgewinnen kosten ebenfalls Kraft. Über eine komplette Bundesligasaison lässt sich das kaum mit elf oder zwölf Spielerinnen durchziehen.

Gerade deshalb könnte die größere Breite des Kaders für Eta wichtig werden. Sie besitzt unterschiedliche Profile und damit auch die Möglichkeit, während eines Spiels die Intensität hochzuhalten oder bestimmte Dinge zu verändern.

Eine Spielerin muss nicht zwingend ihre Kräfte so einteilen, dass sie in der 88. Minute noch einmal einen langen Pressingweg gehen kann, wenn die Trainerin nach einer Stunde frische Kräfte von der Bank bringen kann. Umgekehrt kann Eta auf Spielverläufe reagieren, in denen weniger Tempo und dafür mehr Kontrolle gefragt ist.

Und genau hier greifen die beiden Dinge ineinander: die größere personelle Breite und die taktische Flexibilität. Es geht nicht nur darum, jemanden positionsgetreu auszutauschen, sondern mit einem Wechsel möglicherweise auch die Statik des Spiels zu verändern.

Das könnte im Laufe einer langen Saison gerade gegen sehr unterschiedliche Gegner ein nicht zu unterschätzender Vorteil werden.

Nicht die Tabelle ist zunächst die spannendste Frage

All das bedeutet nicht, dass Union nun plötzlich zu den Spitzenmannschaften der Bundesliga gehört. Ein Vorbereitungssieg bei PSG verändert weder die Kräfteverhältnisse in Deutschland noch macht eine attraktive Spielidee automatisch aus Union einen Kandidaten für Europa.

Es wird Rückschläge geben. Es wird Spiele geben, in denen das Pressing nicht funktioniert, in denen vertikale Pässe beim Gegner landen und in denen Union nach Ballverlusten hinterherlaufen muss. Wahrscheinlich wird es auch Phasen geben, in denen Eta pragmatischer spielen lassen muss, weil ein Gegner etwas anderes verlangt.

Das alles spricht nicht gegen diese Entwicklung.

Viel wichtiger wäre, wenn sich im Laufe der Saison tatsächlich eine eigene Handschrift herausbildet. Wenn man irgendwann nicht mehr auf die Aufstellung schauen muss, um zu erkennen, dass dort Union spielt, weil bestimmte Abläufe und Prinzipien immer wieder auftauchen.

Das wäre für das zweite Bundesligajahr ein ziemlich großer Schritt.

Deshalb ist die spannendste Frage vor dieser Saison vielleicht auch gar nicht, ob Union am Ende Fünfter, Sechster, Siebter oder Neunter wird. Natürlich zählt am Ende die Tabelle. Natürlich wird man irgendwann daran messen müssen, ob eine sportliche Entwicklung auch Ergebnisse produziert.

Aber im August ist eine andere Frage interessanter: Schafft es Eta, dieser Mannschaft eine Identität zu geben, die über einzelne Ergebnisse hinaus erkennbar bleibt?

Denn vielleicht liegt genau darin der Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Bundesligajahr. Im ersten musste Union beweisen, dass es in dieser Liga bestehen kann.

Im zweiten darf die Mannschaft damit beginnen, darüber hinauszugehen.

Und jetzt kommt ausgerechnet Bayern

Lange müssen wir auf die erste Antwort nicht warten.

Am Freitagabend ist die Vorbereitung vorbei. Dann kommt der FC Bayern München in die Alte Försterei und eröffnet gemeinsam mit Union die neue Bundesligasaison. Die Partie ist für Freitag, den 21. August, um 18:20 Uhr angesetzt. 

Einen anspruchsvolleren Übergang vom Test- zum Pflichtspiel könnte man sich kaum ausdenken.

Bayern wird Union auf eine völlig andere Weise fordern. Der Deutsche Meister verfügt über die technische Qualität, eine Pressinglinie mit wenigen Kontakten zu überspielen, und über Spielerinnen, die jeden kleinen Abstimmungsfehler bestrafen können. Es wäre deshalb ziemlich naiv zu erwarten, dass Union am Freitag einfach das Pariser Spiel kopiert und Bayern 90 Minuten am eigenen Strafraum unter Druck setzt.

Aber genau darin liegt vielleicht der größte Reiz dieses ersten Spieltags.

Es wird interessant sein zu sehen, wie viel von der eigenen Idee Union sich bereits gegen einen solchen Gegner zutraut. Ob die Mannschaft auch gegen Bayern Momente findet, in denen sie hoch anlaufen kann. Ob sie nach Ballgewinnen den Mut besitzt, nicht nur den befreienden Pass zu suchen, sondern tatsächlich nach vorne zu spielen. Und ob Eta auch gegen den Meister bereit ist, ihrer Mannschaft zu erlauben, selbst etwas zu versuchen.

Vielleicht wird Bayern schon am Freitag ziemlich deutlich zeigen, an welchen Stellen noch Arbeit auf Eta und ihre Mannschaft wartet. Das wäre angesichts der Qualität des Gegners weder überraschend noch ein Widerspruch zu dem, was sich in der Vorbereitung entwickelt hat.

Im Gegenteil: Gerade gegen die Besten wird sich zeigen, wie belastbar diese neue Idee schon ist.

Denn „unangenehm Fußball spielen“ klingt schön, solange es gegen einen Gegner funktioniert. Interessant wird es dann, wenn die andere Mannschaft Lösungen findet. Wenn das Pressing überspielt wird. Wenn Union plötzlich selbst unter Druck steht. Wenn aus einer mutigen Idee die Versuchung entsteht, doch wieder fünf Meter tiefer zu stehen und lieber nichts zu riskieren.

Dann wird sich zeigen, wie sehr Eta und ihre Mannschaft diesem neuen Fußball bereits vertrauen.

Das Ergebnis wird am Freitag natürlich wichtig sein. Schließlich geht es dann erstmals um Punkte.

Für die Entwicklung dieser Mannschaft könnte die Art und Weise aber beinahe genauso interessant werden.

Paris war kein Beweis. Aber ein ziemlich schöner Vorgeschmack.

Vielleicht ist das am Ende die vernünftigste Einordnung dieses 3:1.

Union ist deshalb nicht plötzlich eine andere Mannschaft und niemand weiß nach 90 Minuten Vorbereitung, wohin diese Saison führen wird. Dafür ist der Weg noch viel zu lang und die Bundesliga viel zu ausgeglichen.

Aber dieses Spiel hat etwas gezeigt.

Es hat gezeigt, dass die Dinge, an denen Marie-Louise Eta und ihre Mannschaft in der Vorbereitung gearbeitet haben, inzwischen auf dem Platz zu erkennen sind. Eta selbst sprach nach dem Spiel davon, dass Union viele der vorgenommenen Dinge umgesetzt und als Mannschaft weitere Fortschritte gemacht habe. 

Nicht durchgehend und noch längst nicht perfekt, aber deutlich genug, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wohin sich diese Mannschaft entwickeln könnte.

Wenn die 90 Minuten von Paris tatsächlich einen kleinen Vorgeschmack geliefert haben, dann dürfen wir uns auf eine Mannschaft freuen, die höher verteidigen möchte, die Gegner unter Druck setzt und nach Ballgewinnen möglichst schnell nach vorne kommt. Auf eine Mannschaft, die dabei zwangsläufig auch Fehler machen wird, weil ein solcher Fußball Risiken beinhaltet, die aber bereit scheint, diese Risiken einzugehen, um selbst Einfluss auf ein Spiel zu nehmen.

Und hinzu kommt nach dieser Vorbereitung noch etwas anderes. Eta scheint nicht nur zunehmend zu wissen, wie ihre Mannschaft spielen soll. Es zeichnet sich auch immer deutlicher ab, wer zunächst das Gerüst dafür bilden könnte. Gleichzeitig hat sie hinter dieser ersten Formation inzwischen genügend unterschiedliche Spielertypen zur Verfügung, um innerhalb eines Spiels zu reagieren, Positionen zu verändern und möglicherweise sogar die Grundordnung zu wechseln.

Genau diese Mischung aus einer immer klarer werdenden Idee und gleichzeitig wachsender Variabilität könnte Union in dieser Saison ausgesprochen interessant machen.

Vielleicht werden wir uns in einigen Monaten kaum noch an das Ergebnis dieses Testspiels erinnern. Vielleicht wird das 3:1 irgendwann nur noch irgendwo im Sommerfahrplan der Saison 2026/27 stehen.

Es könnte aber genauso gut passieren, dass wir irgendwann in der Alten Försterei eine Szene sehen, in der Union den gegnerischen Aufbau unter Druck setzt, weit vorne den Ball gewinnt und wenige Sekunden später im Strafraum auftaucht. Und vielleicht denken wir dann kurz zurück an Paris, an Sophie Weidauer, die einfach weiterlief und den Ball eroberte, an Lia Kamber, die zweimal genau dort auftauchte, wo sie gebraucht wurde, und an eine Mannschaft, die gegen einen großen europäischen Namen nicht nur verteidigen wollte, sondern selbst etwas ausprobierte.

Vor allem aber vielleicht an einen Nachmittag, an dem zum ersten Mal etwas deutlicher zu erkennen war, wie Marie-Louise Eta sich dieses Union vorstellt.

Eine Mannschaft, die nicht nur schwer zu schlagen sein möchte, sondern die dem Gegner mit ihrem eigenen Fußball Probleme bereitet. Eine Mannschaft, die nicht mehr ausschließlich darauf reagiert, was die Bundesliga von ihr verlangt, sondern zunehmend selbst bestimmt, welche Aufgaben sie ihrem Gegner stellt.

Eine Mannschaft, die eben nicht mehr nur unangenehm zu bespielen sein möchte.

Sondern unangenehm Fußball spielen.

Ob Union schon so weit ist, werden keine Testspiele entscheiden. Und wahrscheinlich wird es noch eine ganze Weile dauern, bis all diese Ideen so funktionieren, wie Eta sie sich vorstellt.

Aber die Richtung ist erkennbar.

Im ersten Bundesligajahr lernte Union diese Liga kennen.

im zweiten wird die Liga umso mehr kennenlernen, die Power von Union wirklich zu verstehen.

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Ein Kommentar

  • Leider habe ich das Spiel gegen PSG nicht sehen können. Ganz offensichtlich wurde ein Problem, das es im Spiel gegen Mailand gab, erfolgreich überwunden: Union war offensiv effektiv.

    Über den Transfer von Veit hatte ich mich ursprünglich gewundert, hatten wir doch überhaupt keinen Mangel an Innenverteidigerinnen. Dass sie als 6er eingeplant ist, empfinde ich als sehr gute Idee. Nun ist Marina (leider) weg und mit Katja wird nicht mehr geplant. Anna und Mariann sind noch nicht fit und Silje nicht erste Wahl. Dadurch heißt die gesetzte IV wieder Amber und Samantha. Es ist kein Geheimnis, dass ich die Performance dieses Duos in der Rückrunde sehr kritisch gesehen habe und auch gegen Mailand war dies der Fall. Eine Marina als Option hätte ich sehr beruhigend gefunden, um so bedauerlicherweise, daß sie nicht mehr da ist.

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