Die Profi-Frauen des 1. FC Union Berlin gewinnen das Testspiel bei Turbine Potsdam souverän mit 2:0.

Es war ein wunderschöner Frühlingstag im Sportforum Waldstadt in Potsdam. Knapp 20 Grad, Sonne, ein Platz, der sofort diese alten Regionalliga-Erinnerungen weckt. Ein Ort, an dem Fußball noch nah ist.
Für die 1. FC Union Berlin Frauen ist dieser Ort nicht neu. Das letzte Spiel hier liegt fast zwei Jahre zurück – damals ein deutliches 7:1 gegen die zweite Mannschaft von 1. FFC Turbine Potsdam, während die erste Mannschaft noch in der Bundesliga war. Seitdem hat sich vieles verändert. Union ist ein ambitioniertes Bundesligateam geworden und Turbine Potsdam kämpft mittlerweile gegen den Abstieg aus der 2. Liga.
Es fühlte sich so an, wie ein letzter Besuch auf der Titanic, bevor es für immer auf dem Meeresboden verschwindet.
226 Menschen waren bei diesem Testspiel am Rand dabei. Es war einfach ein ehrliches Testspiel auf einer Sportanlage, die sich nach purem Fußballerleben anfühlte.
Auf dem Platz passiert das, was man erwarten konnte: Union gewinnt 2:0, Spielerinnen kriegen viele Minuten, ein Spiel, das einfach seinen Zweck erfüllt. Vorbereitung, Rhythmus, Belastung.
Mehr nicht.
Und doch ist so ein Spiel öffentlich vor Publikum zu veranstalten viel mehr, als man vielleicht denkt.
Denn während auf dem Platz ein besseres Trainingsspiel läuft, entsteht auf der kleinen Tribüne etwas, das in diesem Kontext oft unterschätzt wird: Austausch. Gespräche. Nähe. Ein öffentliches Testspiel ist wie das Wohnzimmer des Fußballs – und wer die Tür abschließt, nimmt dem Sport die Seele.
Es ist eine Form von Öffentlichkeit, die nicht durch große Kulissen entsteht, sondern durch Zugänglichkeit. Denn genau diese Spiele verschwinden zunehmend aus der Öffentlichkeit.
Viele Vereine tragen Testspiele inzwischen bewusst intern aus – aus Gründen. Weniger Aufwand, weniger Kosten, weniger Organisation. Aber damit verschwindet auch etwas, das sich nicht einfach ersetzen lässt.
Für die Teams auf dem Platz, die unter realen Bedingungen spielen, ohne den Druck eines Pflichtspiels.
Und für die Fans, die hier nicht nur zuschauen, sondern sich austauschen, einordnen, verbinden. Es entstehen Gespräche. Wiedersehen. Diskussionen über die Saison, über Entwicklungen, über das, was war und was kommt.
Das Spiel selbst ist dabei fast zweitrangig. Man steht zusammen, ohne dass unbedingt etwas passieren muss. Ohne dass ein Ergebnis diese Stunden trägt. Wichtiger ist, dass es überhaupt stattfindet – offen, zugänglich, sichtbar.
Auch wirtschaftlich ist das Argument gegen öffentliche Testspiele schwächer, als es oft wirkt. 226 Zuschauer, fünf Euro Eintritt, dazu Catering, dass zur Halbzeit mit Bier und Bratwurst restlos ausverkauft war – bei minimalstem Personaleinsatz war das heute mit Sicherheit kein Verlustgeschäft für Turbine.
Was in Potsdam zu sehen war, war vielleicht kein besonders intensives oder spannendes Spiel. Es war einfach ein wunderschöner Fußballnachmittag unter Freunden und ein Raum um weiter zusammenzuwachsen für das Team und für die Fans.
Dieses Spiel war ein Beleg dafür, was diesem Sport guttut – und was er nicht verlieren darf.
Deshalb müssen Testspiele öffentlich bleiben.







2 Kommentare
Vielen Dank für diesen Bericht. Er trifft den Nagel auf den Kopf, wie man so sagt.
Einfach nur ein toller Nachmittag. Wir als Fans treffen hier alte Bekannte sprich Ehemalige Turbinen, sei es Jenny Hipp , Jenny Zietz, Marina Georgiewa. Auch Ehemalige als Zuschauer. Kommt nah an die Teams heran für Autogramme, Fotos und kurze Gespräche. Auch mit Eltern von Spielerinnen kommen wir Fans in Kontakt, von beiden Mannschaften. Wie in eurem Artikel erwähnt ein freundschaftlichens Fachsimpeln zwischen den Fans.
Vielen Dank an beide Vereine das dies möglich gemacht wurde. Ich persönlich habe diesen Tag sehr genossen.
Danke auch für den super Bericht
Danke dir – genau das meine ich.
Freut mich sehr, dass du es genauso erlebt hast.