Vorbericht DFB-PokalHamburg kennt die Gefahr. Union kennt die Lücken.
Analyse
Die Ausgangslage
Vier Tore, kein Sieg. 28 Abschlüsse, jede Menge spielerische Überlegenheit – und am Ende trotzdem nur ein Punkt. Vieles von dem, was Union am Sonntag im Volksparkstadion zeigte, machte Mut. Vor allem aber hat die Partie eines deutlich gemacht: Die Berlinerinnen wissen, wie sie Hamburg vor Probleme stellen können. Jetzt müssen sie es wieder tun.
Hamburgs rechte Seite: Mehr Offensivpower, aber auch mehr Stabilität?
Jill Janssens und Judit Pujols lieferten am Sonntag herausragende Leistungen. Janssens sorgte auf rechts mit ihrem Tempo und ihren direkten Wegen zum Tor für Gefahr. Pujols hatte auf der linken Seite immer wieder erstaunlich viel Platz, um nach vorne zu stoßen und ihre Flanken in den Strafraum zu bringen.
Das lag auch an Camilla Linberg. Die Norwegerin hat ihre offensiven Qualitäten eindrucksvoll bewiesen, nicht zuletzt mit ihrem direkt verwandelten Freistoß. Doch während sie nach vorne für Gefahr sorgte, ließ sie hinter sich immer wieder Räume offen. Leni Eggert wirkte auf der rechten Abwehrseite mit den Berliner Angriffen zeitweise überfordert.
Nun kehrt Magou Doucouré nach ihrer Gelb-Rot-Sperre zurück. Die Französin bringt Tempo, Athletik und eine ordentliche Portion Galligkeit in ihr Spiel. Sie sucht selbst den Weg nach vorne, schaltet sich entschlossen in Angriffe ein und könnte gemeinsam mit Linberg Hamburgs rechte Seite offensiv sogar noch gefährlicher machen.
Doch genau darin liegt die spannende Frage: Wie viel defensive Stabilität bringt eine rechte Seite, auf der gleich zwei Spielerinnen ihre Stärken auch im Vorwärtsgang haben?
Doucouré ist zweifellos eine andere Gegenspielerin als Eggert. Körperlich robuster und mit mehr Erfahrung im direkten Duell. Aber ihre Rückkehr bedeutet nicht automatisch, dass die Räume für Pujols verschwinden. Auch Doucouré zieht es nach vorne, und im Spielaufbau ist sie keineswegs frei von Problemen.
Interessant wird deshalb, ob Rodolfo Cardoso lediglich Eggert durch Doucouré ersetzt und die Innenverteidigung mit Nigar Mirzaliyeva und Annaleen Böhler unverändert lässt. Oder ob er mit einer zusätzlichen taktischen Anpassung versucht, diese Seite besser abzusichern.
Bleibt es beim einfachen Wechsel, dürften Unions Chancen, über Pujols erneut gefährlich zu werden, weiterhin gut stehen.
Hamburgs Aufbau früh unter Druck setzen
Die Hamburgerinnen haben am Sonntag erneut gezeigt, dass sie unter frühem Druck Schwierigkeiten bekommen können, Angriffe kontrolliert aufzubauen. Doucourés Rückkehr dürfte daran allein wenig ändern.
Union sollte deshalb genau dort wieder ansetzen: hoch anlaufen, die Passwege ins zentrale Mittelfeld zustellen und den HSV möglichst früh zu unkontrollierten Zuspielen zwingen.
Gerade gegen eine Mannschaft, die mit Linberg gefährlich umschalten kann, ist es umso wertvoller, solche Angriffe schon bei ihrer Entstehung zu unterbinden.
Nicht weniger Risiko, sondern bessere Abstimmung
Auch defensiv braucht Union keine grundlegende Kurskorrektur. Die geringe Hamburger Chancenqualität abseits der beiden Elfmeter spricht jedenfalls nicht dafür, die eigene Spielweise grundsätzlich vorsichtiger auszurichten.
Einige Details in der Restverteidigung verdienen trotzdem Aufmerksamkeit.
Wann muss eine Spielerin aus der Viererkette nach vorne verteidigen, statt gemeinsam mit der Abwehr zurückzuweichen? Wie wird Lina Hausicke abgesichert, wenn Lia Kamber offensiv gebunden ist? Und wer übernimmt die Räume, wenn eine Mitspielerin nach einem Ballverlust gerade nicht auf ihrer üblichen Position steht?
Das sind Fragen der Abstimmung und der gemeinsamen Abläufe. Sie entscheiden darüber, ob Hamburg nach Ballgewinnen gefährlich werden kann oder Union den nächsten Angriff bereits im Ansatz unterbindet.
Je besser diese Mechanismen greifen, desto mutiger kann die Mannschaft weiterhin agieren.
Nicht zurückziehen. Nachlegen.
Das letzte Spiel hat Union keinen vierten Ligasieg in Folge gebracht. Dafür aber eine Menge Erkenntnisse und Gründe für neues Selbstvertrauen.
Die Mannschaft weiß, dass sie Hamburg spielerisch unter Druck setzen kann. Sie weiß, dass ihre Außenbahnen funktionieren. Und sie hat eindrucksvoll bewiesen, dass sie selbst nach wiederholten Rückschlägen nicht auseinanderfällt.
Dieser Charakter, diese Mentalität und die Bereitschaft, bis zur letzten Minute alles zu investieren, haben sich als echte Stärken erwiesen.
Am Samstag geht es darum, all das erneut auf den Platz zu bringen.
Die kleinen Abstimmungsprobleme beheben, Hamburg früh unter Druck setzen und die eigene offensive Qualität mit voller Überzeugung ausspielen.
Vier Tore haben am Sonntag nicht zum Sieg gereicht. Im Pokal bietet sich nun die Gelegenheit, aus der spielerischen Überlegenheit endlich einen Erfolg zu machen.
Und dafür gibt es nach diesem 4:4 eigentlich nur eine Devise: Vollgas.
Form & Zahlen
Die Lage vor dem Spiel
- Platz
- 10
- Punkte
- 9
- Spiele
- 7
- Tore
- 10:12
- Bilanz
- 3-0-4
- Torverhältnis
- -2
- Platz
- 12
- Punkte
- 5
- Spiele
- 7
- Tore
- 10:11
- Bilanz
- 1-2-4
- Torverhältnis
- -1
Form- und Wettbewerbsdaten: DFB Datencenter · interne Leistungswerte: Schlosserinnen-Spielcenter.
Die Saison in Zahlen
So spielt Union
Bundesliga · Durchschnitt vor diesem Spiel
Quelle: Schlosserinnen-Spielcenter · Stand vor dem Anstoß
Saisonentwicklung
Die letzten sechs Spiele
Je drei Bundesligaspiele im Vergleich
Unions letzte drei Ligaspiele im Vergleich zu den drei Partien davor · Änderungen in %.
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