Zwei diskutierte Elfmeter, vier Gegentore und eine Mannschaft, die einfach nie aufgab. Union Berlin liefert beim Hamburger SV ein außergewöhnliches 4:4, bestimmt über weite Strecken das Spiel und verpasst dennoch den vierten Bundesligasieg in Folge. Warum dieser Nachmittag trotzdem mehr über Unions Fortschritte erzählt als über eine mögliche Enttäuschung über ein Remis – und was das für das Wiedersehen im DFB-Pokal bedeutet.

Es läuft die 85. Minute vor 3.836 Zuschauerinnen und Zuschauern im Hamburger Volksparkstadion. Den Gastgeberinnen sind die vergangenen 84 Minuten inzwischen deutlich anzusehen. Union dagegen greift weiter an. Und Judit Pujols, die auf der linken Seite schon den gesamten Nachmittag unermüdlich unterwegs ist, hat noch immer genügend Energie für einen weiteren Vorstoß.
Die Spanierin bringt den Ball in den Strafraum. Dina Orschmann steigt hoch, ist vor Hamburgs Torhüterin Kinga Szemik am Ball und köpft zum 4:4 ein. Schon wieder ist Union zurück.
Für Orschmann hat dieser Treffer eine besondere Bedeutung. Nach einer Verletzung und einer Operation im Juli kämpft sich die 28-Jährige gerade erst wieder langsam zurück in den Bundesligabetrieb. Nun erzielt sie ihr erstes Ligator der Saison – und rettet Union einen Punkt.
Vier Tore erzielt, kein einziges Mal geführt, das bislang torreichste Bundesligaspiel der Unionerinnen. Und eines, bei dem die Anzeigetafel in 9 von 10 Spielen mit Sicherheit nicht ein Unentschieden anzeigen würde.
Nach 15 Minuten steht es 2:0 – aber für die falsche Mannschaft
Union erwischt den deutlich besseren Start. Schon in der vierten Minute erobert Jill Janssens den Ball, über Nele Bauereisen kommt Lina Hausicke zum Abschluss. Ihr abgefälschter Schuss landet am Pfosten. Wenig später prüft Janssens selbst Hamburgs Torhüterin. Doch das erste Tor fällt auf der anderen Seite.
Bei ihrem ersten Angriff trifft Svea Stoldt aus der Distanz. Samantha Steuerwald fälscht den Ball unglücklich ab, Nadine Böhi ist machtlos (10.). Union antwortet unmittelbar, Bauereisen taucht frei vor Szemik auf, scheitert aber im direkten Duell. Statt des Ausgleichs folgt der nächste Rückschlag. Camilla Linberg verwandelt einen direkten Freistoß aus rund 20 Metern zum 2:0 (15.). Sehenswert geschossen, wenngleich Böhis Stellungsspiel auf der Torwartseite Fragen aufwirft.
Ausgerechnet Linberg. Die Norwegerin hatten wir bereits in unserem Vorbericht zum Hamburg-Spiel als eine der größten Gefahren des HSV hervorgehoben. Ihre Schnelligkeit und ihre Wege in gefährliche Räume sollten Union noch mehrfach beschäftigen.
Der Rückstand verändert wenig am Berliner Auftritt. Union bleibt die aktivere Mannschaft, findet Räume zwischen den Hamburger Abwehrspielerinnen. Auffällig ist dabei, wie gut die Angriffe inzwischen miteinander verbunden sind. Wo Union zu Saisonbeginn trotz langer Ballbesitzphasen häufig mit überhasteten Steilpässen oder isolierten Einzelaktionen scheiterte, greifen die Bewegungen heute besser ineinander. Spielerinnen kommen entgegen, legen Bälle ab und schaffen damit Räume für nachrückende Mitspielerinnen.
Janssens kommt erneut gefährlich zum Abschluss, kurz vor der Pause scheitert Naika Reissner nach einem Doppelpass mit Bauereisen an Szemik. In der Nachspielzeit fällt schließlich der längst verdiente Anschluss. Eine Hereingabe von Reissner kann Hamburg nicht entscheidend klären, Lia Kamber zieht an der Strafraumgrenze ab und trifft zum 1:2 (45.+2). Ein Schuss, wie eine Rakete und einer den wir von ihr nicht das erste Mal bestaunen durften. Bereits im Pokalspiel in Magdeburg hämmerte sie auf diese Weise bereits den Ball ins Tor.
Bauereisen und Janssens belohnen Unions Angriffsspiel
Auch wenn das Team Morgenluft gewittert hat, begann auch die zweite Halbzeit mit einem Rückschlag. Reissner kommt bei einem Klärungsversuch gegen Linberg zu spät, Schiedsrichterin Angelika Söder zeigt auf den Punkt. Der DFB spricht in seinem Spielbericht ohne Umschweife von einem „fälligen Foulelfmeter“. Ob der Kontakt tatsächlich so eindeutig zu bewerten war, darf zumindest diskutiert werden. Stoldt verwandelt zum 3:1 (49.), obwohl Böhi noch mit der Hand am Ball ist.
Keine Minute später ist der alte Abstand wieder hergestellt. Pujols bringt eine präzise Flanke von links in den Strafraum. Bauereisen setzt sich im Kopfballduell durch und verkürzt zum 2:3 (50.). Es ist bereits ihr drittes Saisontor. Damit führt die 22-Jährige die interne Torjägerliste an. Noch interessanter ist ihre gestiegene Torgefahr: In der vergangenen Saison lag sie bei 0,24 erwarteten Toren pro 90 Minuten, inzwischen sind es 0,42 – ein Anstieg um 77 Prozent.
Bauereisen zeigt in Hamburg aber auch, dass sie weit mehr als eine reine Abschlussspielerin ist. Beeindruckende fünf Torschussvorlagen stehen am Ende in ihrer Statistik, ein persönlicher Saisonbestwert. Besonders wertvoll sind ihre Bewegungen zwischen den gegnerischen Abwehrspielerinnen und die Fähigkeit, Bälle unter Druck zu behaupten und weiterzuleiten.
Genau daraus entsteht in der 67. Minute der nächste Treffer. Bauereisen setzt sich gegen ihre Gegenspielerin durch, dreht sich geschickt und legt für Jill Janssens ab. Die Belgierin stößt im richtigen Moment nach, bleibt ruhig und schiebt zum 3:3 ein. Bauereisen bindet die Verteidigerin, Janssens nutzt den geöffneten Raum – eine Szene, die beispielhaft zeigt, wie viel besser die offensiven Abläufe mittlerweile funktionieren.
Fünf Abschlüsse sind auch für Janssens ein persönlicher Saisonbestwert. Mit inzwischen zwei Toren und zwei Vorlagen ist sie längst nicht mehr nur die schnelle Spielerin auf der rechten Seite, sondern zunehmend selbst eine verlässliche Quelle für Torgefahr. Dabei ist es weniger die reine Laufleistung, die Janssens auszeichnet, sondern die Intensität ihrer Wege. Keine Unionerin sprintet häufiger als die Belgierin: Durchschnittlich 11,5 Sprints pro 90 Minuten stehen in den bisher erfassten Spielen zu Buche. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 31,6 km/h gehört sie zudem zu den schnellsten Spielerinnen im Kader. Vor allem aber ist es die Bereitschaft, immer wieder mit Tempo anzutreten, die sie für gegnerische Abwehrreihen so unangenehm macht. Die Laufdaten aus Hamburg stehen noch aus.
Dabei profitiert sie von einer klareren Rollenverteilung. Seit Tomke Schneider häufiger die rechte Abwehrseite besetzt und Janssens weiter vorne agiert, können beide ihre Stärken besser einbringen. Schneider sorgt für Unterstützung aus der Tiefe, Janssens kann höher stehen und ihre Geschwindigkeit offensiver einsetzen. In unserem Vorbericht hatten wir Janssens als Spielerin im Fokus vorgestellt und gleichzeitig darauf hingewiesen, dass Hamburg bei einer zu starken Konzentration auf die Belgierin die andere Seite nicht vergessen dürfe. Dort wartet schließlich Pujols.
Genau diese Gefahr wurde auch sichtbar. Beide Berliner Kopfballtreffer entstehen nach Flanken der Spanierin. Ob Hamburg tatsächlich zu viel Aufmerksamkeit auf Janssens richtete, lässt sich nicht ableiten, dafür war sie zu sehr ins Spiel eingebunden. Dass Union über beide Außenbahnen gefährlich werden konnte, bestätigte sich jedoch eindrucksvoll.
Schon vor der Partie hatten wir auch Hamburgs Schwierigkeiten gegen schnelle Kombinationen und Angriffe über die Außen beschrieben. Nun hat der HSV diese Probleme selbst erlebt. Sechs Tage bleiben, um für das Pokalduell bessere Antworten zu finden. Die Zuversicht auf die eigenen Stärken der Unionerinnen, bestärkt einen aber darin, dass sie diese nicht finden werden, ohne sich dabei andere Baustellen aufzureißen.

Vier Gegentore – aber was erzählen die Zahlen wirklich?
Im Spiel wartete bereits der nächste Rückschlag auf Union. Fünf Minuten nach dem Ausgleich entscheidet Angelika Söder erneut auf Strafstoß. Dieses Mal ist Steuerwald im Zweikampf mit Linberg beteiligt. Wieder tritt Stoldt an, wieder trifft sie. 4:3 für Hamburg (72.).
Über beide Entscheidungen lässt sich diskutieren. Beim ersten Strafstoß kommt Reissner im Zweikampf zu spät, beim zweiten bleibt die Frage, ob der Kontakt zwischen Steuerwald und Linberg den Pfiff rechtfertigt. Zumal man Linberg deutlich anmerkte, dass sie den Elfmeter ein bisschen zu sehr haben wollte.
Der DFB führt beide Szenen in seinem Spielbericht ohne kritische Einordnung als Foulelfmeter auf. Das ist für einen Spielbericht nicht ungewöhnlich. Ob die Entscheidungen dadurch überzeugender werden, ist allerdings eine andere Frage.
Gerade bei strittigen Szenen wäre mehr Transparenz hilfreich – auch mit Blick auf die Bewertung und Fortbildung von Schiedsrichterinnen. Nicht jeder Kontakt im Strafraum muss zwingend einen Strafstoß nach sich ziehen. Eine grundsätzliche Fehlentscheidung lässt sich allerdings allein aus der Diskussion um einen Pfiff ebenso wenig ableiten.
Die beiden Elfmeter beeinflussen nicht nur das Ergebnis, sondern auch die statistische Bewertung der Partie.
Laut Schlosserinnen-Spielcenter kommt Union auf 2,17 erwartete Tore (xG), Hamburg auf 1,82. Schon diese Werte sprechen für die höhere Qualität der Berliner Abschlussmöglichkeiten. Doch der Unterschied ist bei genauerer Betrachtung noch bemerkenswerter. Die beiden Hamburger Strafstöße fließen nach der üblichen Opta-Modellbewertung mit jeweils 0,79 xG ein. Rechnet man diesen Anteil heraus, bleiben für den HSV überschlägig nur 0,24 erwartete Tore aus den übrigen Abschlüssen und Standardsituationen.
Union dagegen verzeichnet 28:13 Abschlüsse und 48:12 Ballkontakte im gegnerischen Strafraum. Letzteres ist ein neuer Saisonbestwert. Von den 28 Berliner Abschlüssen erfolgten 18 innerhalb des Strafraums.
Das zeigt zweierlei: Union entwickelte deutlich mehr Offensivdruck und brachte sich häufiger in aussichtsreiche Abschlusspositionen. Hamburg dagegen erzielte seine vier Treffer aus Situationen, die sich nicht beliebig wiederholen lassen.
Und für die Statistik-Nerds unter uns: Hier werden zugleich die Möglichkeiten und Grenzen des xG-Modells sichtbar. Es bewertet die Wahrscheinlichkeit einzelner Abschlüsse, bildet aber weder den gesamten Angriffsdruck noch die Kontrolle über längere Spielphasen ab. Ein Strafstoß erhält zudem unabhängig von seiner Entstehung einen besonders hohen Wert.
Wer das Spiel gesehen hat, konnte durchaus den Eindruck gewinnen, dass Union diese Partie deutlich hätte gewinnen müssen. Die vielen Berliner Möglichkeiten und die wiederholten Rückschläge ließen das 4:4 besonders unglücklich erscheinen.
Allerdings gilt auch: Vier Tore bei 2,17 xG sind bereits eine überdurchschnittliche Ausbeute. Die Berlinerinnen ließen einzelne große Möglichkeiten liegen, verwerteten ihre Chancen insgesamt aber besser, als die statistische Erwartung vermuten lässt.
Und die vier Gegentore? Ein abgefälschter Distanzschuss, ein direkter Freistoß und zwei Strafstöße. Das ist etwas anderes als eine Defensive, die ein ums andere Mal ausgespielt wird.
Dass Union die Entstehung dieser Situationen trotzdem kritisch aufarbeiten muss, steht außer Frage.
Orschmann trifft, als Hamburg die Kräfte ausgehen
Besonders in den letzten zehn Minuten scheint der Kräfteverschleiß bei den Hamburgerinnen deutlich zu werden. Viele Wege zurück in die eigene Hälfte, zahlreiche Zweikämpfe und immer neue Berliner Angriffe haben Spuren hinterlassen.
Union dagegen wirkt auch in der Schlussphase frisch. Die Einwechslungen von Lisanne Gräwe, Leela Egli, Jella Veit und Dina Orschmann bringen zusätzliche Energie. Vor allem Orschmann nutzt ihre Gelegenheit. In Hamburg demonstriert sie, wie wertvoll sie für Union sein kann. Drei Abschlüsse in gerade einmal 18 Einsatzminuten dokumentieren ihren Zug zum Tor. Einer davon bringt in der 85. Minute den verdienten Ausgleich. Für Orschmann ist es ein besonderer Moment auf ihrem Weg zurück.
Für Pujols bereits die zweite Torvorlage des Nachmittags. Die Spanierin beendet das Spiel mit acht Flanken, drei Torschussvorlagen und 83 Ballkontakten – alles persönliche Saisonbestwerte. Mit insgesamt 27 Flanken liegt sie inzwischen hinter Janssens auf Platz zwei der Mannschaftsrangliste.
Vor allem beeindruckt aber, wie viel Energie sie selbst nach 80 Minuten noch aufbringt. Während Hamburg zunehmend erschöpft wirkt, geht Pujols weiterhin die entscheidenden Wege und bringt Bälle in gefährliche Räume.
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Kein Rückfall, sondern ein weiterer Entwicklungsschritt
Natürlich ist ein 4:4 nach dieser Leistung enttäuschend. Union hatte genügend Möglichkeiten, um das Spiel für sich zu entscheiden. Doch der Auftritt passt zu einer Entwicklung, die seit mehreren Wochen erkennbar ist.
Nach den ersten vier Ligaspielen standen null Punkte und ein Torverhältnis von 1:9. In den folgenden vier Partien holte Union zehn Punkte bei 13:7 Toren.
Besonders deutlich ist der Fortschritt im Offensivspiel. Von durchschnittlich 12,5 Abschlüssen pro Partie in den ersten vier Begegnungen ging es auf inzwischen 23,0 in den vergangenen vier. Gleichzeitig sank die Zahl gegnerischer Abschlüsse von durchschnittlich 21,8 auf 13,5 pro Spiel.
Der Fortschritt betrifft also nicht nur die Offensive. Union bietet den Gegnerinnen insgesamt weniger Abschlussmöglichkeiten, ohne dafür mehr Ballbesitz zu benötigen. Das spricht für eine bessere Abstimmung zwischen den Mannschaftsteilen und wirkungsvolleren Zugriff gegen den Ball. Ob auch die Abstände zwischen den Linien durchgehend kleiner geworden sind, lässt sich aus diesen Zahlen allein allerdings nicht belegen.
Hinzu kommt die personelle Kontinuität. Nach einigen Veränderungen zu Saisonbeginn ist inzwischen ein klarerer Kern erkennbar. Die Spielerinnen kennen ihre Aufgaben besser, die Wege im Zusammenspiel werden selbstverständlicher. Diese Entwicklung hatten wir bereits in unserer Analyse „Der nächste Schritt: Wie Eta Unions Spiel weiterentwickelt“ untersucht. Hamburg liefert weitere Hinweise darauf, dass die veränderten Abläufe zunehmend greifen.
Gegen Leipzig zeigte Union seine offensive Qualität, in Stuttgart folgte ein überzeugender Auswärtssieg. Gegen Nürnberg gelang ein Erfolg trotz spielerischer Schwierigkeiten. In Hamburg erspielte sich die Mannschaft zahlreiche Möglichkeiten, ließ sich auch durch wiederholte Rückschläge nicht aus dem Konzept bringen und blieb bis in die Schlussphase gefährlich.
Marie-Louise Eta hat aus einer Mannschaft, die in den ersten Saisonwochen vor allem nach Lösungen suchte, ein Team geformt, dessen einzelne Mannschaftsteile immer besser zusammenarbeiten. Noch fehlt es an der Konstanz, solche Auftritte zuverlässig in Siege umzusetzen. Aber dieses Remis war kein Rückschritt.
Wie blickst du gerade auf Unions Frauen?
Zeige, wie zuversichtlich du mit Blick auf die sportliche Entwicklung bist.
Diese Stimmungsrunde ist abgeschlossen. Das damalige Ergebnis bleibt unverändert.
Zurück an Deutschlands Zuschauerspitze
Eine erfreuliche Nachricht brachte das Wochenende für Köpenick ebenfalls.
Werder Bremen spielte gegen Freiburg auf ihrem Platz 11 vor lediglich 1.500 Zuschauerinnen und Zuschauern. Damit sank der bisherige Bremer Heimschnitt, und Union übernahm wieder die Führung im deutschlandweiten Vergleich. Mit 8.837 Menschen pro Bundesliga-Heimspiel liegen die Unionerinnen aktuell vor Bremen (7.870). Europaweit bedeutet das Rang vier, weltweit Platz 15 im derzeit erfassten Schlosserinnen-Vergleich.
Vor Union liegen in Europa lediglich Arsenal, Barcelona und Chelsea. Barcelona hat seinen Schnitt vor allem durch den Clásico gegen Real Madrid vor über 40.000 Menschen erheblich gesteigert. Solche Einzelspiele können sich gerade zu Saisonbeginn stark auswirken. Wie die Rangliste am Ende aussieht, bleibt abzuwarten.
Am Samstag kann es nur einen Sieger geben
Schon am 31. Oktober treffen beide Mannschaften erneut im Volksparkstadion aufeinander. Diesmal um 13 Uhr im Achtelfinale des DFB-Pokals.
Hamburg weiß nun, wie schwer Union zu kontrollieren ist. Wie viel Aufwand es kostet, die Berliner Angriffe abzuwehren. Und dass selbst drei Führungen nicht unbedingt reichen. Für Union liegt der Schlüssel darin, die eigene Überlegenheit früher in Tore umzusetzen und jene Situationen zu vermeiden, die den HSV am Sonntag überhaupt erst im Spiel hielten.
Besonders über die Außenbahnen fanden die Berlinerinnen immer wieder Lösungen. Und je länger die Partie dauerte, desto größer schien ihr körperlicher Vorteil zu werden. Ob das im Pokal erneut so funktioniert, wird auch davon abhängen, welche Antworten Hamburg auf dieses Spiel findet. Union jedenfalls kann mit viel Selbstvertrauen zurückkehren. Eine solche Begegnung wird unter gewöhnlichen Umständen nicht jedes Mal 4:4 enden.
Am Sonntag reichte die spielerische Überlegenheit nur zu einem Punkt.
Am Samstag braucht es einen Sieger.








Ein Kommentar
Insgesamt war dieses Spiel natürlich ein Fest für die Zuschauer:innen, es ging hin und her und es waren 90 Minuten Action.
Ich muss leider sagen, im Hinblick auf unser Abwehrverhalten werden wir einfach nicht den Ansprüchen gerecht, die wir im Hinblick auf die Saisonziele haben.
Wir bekommen viel zu viele Gegentore und diese Gegentore fallen eben nicht unglücklich, sondern es hat mittlerweile System. Vier Gegentore gegen Hamburg, einen Abstiegskandidaten, sind letzlich indiskutabel, wenn man oben mitspielen möchte.
Beim 0:1 dreht sich Samantha beim Schuss der Gegnerin weg und gibt damit jegliche kontrollierte Aktion auf. Beim 0:2 steht Nadine vollkommen falsch. Beim 0:3 und 0:4 ist das Zweikampfverhalten sowohl von Naika, als auch von Samantha mangelhaft. Dazu kommen Fehler im Spielaufbau und zu viel Platz für Gegenspielerinnen, die dem HSV zusätzlich mehrere gefährliche Distanzschüsse erlaubten.
Die personellen Entscheidungen im Spielverlauf habe ich auch nicht wirklich verstanden.
Mit Anna und Judith sitzen zwei gelernte Außenverteidigerinnen auf der Bank, es kommt mit Jella aber eine Spielerin fürs Zentrum für Tomke.
Sophie war meiner Ansicht nach nie so richtig im Spiel drin, Dina kam eigentlich viel zu spät rein.
Naikas Auswechslung habe ich nicht verstanden, denn die stürzte wie Jill auf der anderen Außenbahn die Hamburger Defensive von einer Verlegenheit in die andere.
Eileen, die die müde HSV- Abwehr mit ihrem Tempo und ihrer Physis hätte zerlegen können, blieb ganz draußen.